Auch Trumps Dekret droht Widerstand. Umweltorganisationen kündigten an, juristisch gegen das Dekret vorgehen zu wollen und Stimmung gegen den Plan zu machen. "Niemand hat dafür gestimmt, dass Amerika seine Führungsrolle im Klimaschutz aufgeben soll", hieß es vom Natural Resources Defense Council. "Dieser Rückzug wird auf eine mächtige Opposition treffen, Trump wird an jeder Biegung von uns hören."

Auch zahlreiche Bundesstaaten haben sich in Stellung gebracht. Kalifornien, immerhin der größte Automobilmarkt des Landes, hatte erst in der vergangenen Woche die Regeln für den CO2-Ausstoß von Fahrzeugen erneut verschärft. Zwölf weitere Staaten, darunter New York und Washington D. C., haben bereits angekündigt, die neuen Standards aus Kalifornien übernehmen zu wollen. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Bundesstaaten sich einer möglichen Klage gegen die Richtlinien aus der Hauptstadt anschließen.

Trotzdem warnen Umweltorganisationen davor, den Einfluss von Trumps Dekret zu unterschätzen. Zahlreiche Regelungen kann der Präsident ohne den lästigen Umweg über Behörden und Gerichte durchsetzen. Ein Moratorium von Dezember 2015, das neue Pachtverträge für die Kohlegewinnung auf öffentlichem Land auf Eis gelegt hatte, ist mit der heutigen Unterschrift aufgehoben. Auch Bestimmungen für Behörden, ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren oder die Folgen geplanter Programme für den Klimawandel zu berücksichtigen, lockert die Verordnung.

"Kurzsichtig und dumm"

"Die Verordnung unterwandert zentrale Aspekte unserer Strategie gegen den Klimawandel, ohne auch nur einen Gegenvorschlag zu machen", heißt es von der Organisation Union of Concerned Scientists in einer Stellungnahme. Sie sei "kurzsichtig und dumm". Sollte auch nur ein Teil der bestehenden Regulierungen zurückgedreht werden, rechnete der Thinktank Rhodium Group vor, werde es für die USA unmöglich sein, die Vereinbarungen des Pariser Klimaabkommens einzuhalten. Ob die USA einen Ausstieg aus dem Abkommen erwägen, lässt die Verordnung zwar offen. Allerdings sinke der Druck auf andere Länder, ihrerseits an den Zielen festzuhalten, kritisierten Umweltgruppen.

Zudem ist die heutige Verordnung nur Teil von Trumps Angriff auf die Klimapolitik seines Vorgängers. Schon Anfang der Woche hatte der Präsident den Bau der umstrittenen Ölpipeline Keystone XL genehmigt, die Obama auf Druck von Umweltorganisationen auf Eis gelegt hatte. In den vergangenen Wochen hatte der Präsident bereits mehrere Regulierungen für die Energiegewinnung zurückgedreht. Der erste Haushaltsentwurf sieht für die Umweltbehörde zudem eine Budgetkürzung von knapp 30 Prozent vor. 

EPA-Chef Scott Pruitt – der die Behörde in der Vergangenheit selbst immerhin 14 Mal verklagt hatte – feierte das Dekret vom Dienstag trotzdem als Erfolg. Es sei schön, so Pruitt, so viele Vertreter der Kohleindustrie in der Umweltbehörde zu sehen.