Das Weiße Haus hat die von US-Präsident Donald Trump gegen seinen Amtsvorgänger Barack Obama formulierten Abhörvorwürfe relativiert. Trump habe den Begriff "abhören" nicht wörtlich gemeint, da er ihn in Anführungszeichen gesetzt habe, sagte Trumps Sprecher Sean Spicer. Es sei ihm vielmehr allgemein um Überwachung und "andere Aktivitäten" gegangen. Zudem habe Trump die Anschuldigungen nicht speziell gegen Obama erhoben, sondern gegen dessen Regierung. Trump denke nicht wirklich, dass Obama persönlich sein Telefon angezapft habe.

Der US-Präsident hatte Anfang des Monats ohne Angabe von Beweisen getwittert, Obama habe ihn im Wahlkampf abhören lassen. Obama, sein ehemaliger Geheimdienstdirektor James Clapper sowie FBI-Chef James Comey hatten dies deutlich zurückgewiesen.

In einem Tweet hatte Trump tatsächlich Anführungszeichen verwendet, aber Obama direkt beim Namen genannt. In einem weiteren Tweet sprach er von "einem Fakt, dass Obama meine Telefone angezapft" habe. Zudem bezeichnete er Obama als "bösen (oder kranken) Typen".

Sowohl Republikaner als auch Demokraten forderten Beweise für die schwerwiegenden Anschuldigungen. Der Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses mahnte das Justizministerium, es müsse die Lieferfrist für Belege zu den Anschuldigungen einhalten. Sonst könne das Gremium möglicherweise Vertreter des Ministeriums verpflichtend vorladen, um Informationen zu bekommen, sagte ein Sprecher des Ausschussvorsitzenden Devin Nunes. Die Frist läuft bis zum 20. März. Allerdings hat das Justizministerium bereits um mehr Zeit gebeten.

Trump-Beraterin: "Belege sind nicht mein Job"

Trumps Beraterin Kellyanne Conway sagte unterdessen bei CNN, ihr lägen keine Beweise für Abhöraktivitäten vor. Es sei auch nicht ihr Job, Belege dafür zu haben. Dafür seien Untersuchungen da.

Einen Tag zuvor hatte Conway in einem Interview erklärt, es gebe viele Methoden des Abhörens und Ausspähens – "über Telefon, Fernsehen oder auch über die Mikrowelle". Auf ABC sagte sie dazu später, sie habe sich nur "allgemein zu Überwachung" geäußert, nicht zu Trumps Vorwürfen im Besonderen.