US-Präsident Donald Trump will sich bei seinem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Washington Rat einholen. "Der Präsident ist sehr interessiert daran, die Meinung der Kanzlerin über ihre Erfahrungen im Umgang mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin zu erfahren", sagte ein Mitarbeiter des Weißen Hauses. So wolle Trump bei Merkels Besuch die Sichtweise der Bundeskanzlerin zur Umsetzung des Minsker Abkommens hören. Es gehe auch um die Frage, welche Unterstützung der USA für den Ukraine-Prozess nötig sei.  

Trump wolle mit Merkel auch über das auf Eis gelegte Transatlantische Handelsabkommen TTIP reden. Dies habe für die Regierung Trumps bisher nicht im Vordergrund gestanden; eine Entscheidung sei nicht gefällt. Trump hatte sich immer wieder gegen multilaterale Abkommen der USA mit mehreren Ländern gleichzeitig ausgesprochen und das eigentlich bereits zu Ende verhandelte transpazifische Abkommen TPP gekippt. In der Regierung gebe es aber Stimmen, TTIP könne auch als bilaterales Abkommen zweier Partner angesehen werden.

Merkel steht für mehr Freihandel und sieht Gefahren für die Weltwirtschaft, sollten sich die USA wirtschaftlich abschotten. Im Gespräch mit Trump will Merkel ausloten, wie die zukünftige Zusammenarbeit aussieht – auch um sich auf den G20-Gipfel im Juli vorbereiten zu können, bei dem Wirtschaftspolitik das zentrale Thema sein soll. Gastgeber ist Deutschland, Trump hat sein Kommen bereits zugesagt.

USA - Die wichtigsten Streitpunkte zwischen Merkel und Trump Beim Treffen von Angela Merkel und Donald Trump stehen Differenzen in der Handelspolitik im Vordergrund. Doch es gibt noch weitere Konfliktfelder. © Foto: Michael Kamm, Tobias Schwarz/Getty Images

Um den Wunsch nach einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den USA Ausdruck zu verleihen, lässt sich  Merkel laut einem Medienbericht von wichtigen Vertretern aus der deutschen Wirtschaft begleiten. Bei ihrem Besuch am Dienstag werde sie von Siemens-Chef Joe Kaeser und BMW-Chef Harald Krüger begleitet, berichtet der Spiegel. Die beiden Konzernchefs sollen demnach helfen, eine gute Gesprächsatmosphäre mit dem ehemaligen Unternehmer Trump zu schaffen.

Trump hatte im Januar deutschen Autobauern mit Strafzöllen gedroht. "Ich würde BMW sagen, wenn sie eine Fabrik in Mexiko bauen und Autos in die USA verkaufen wollen, ohne eine 35-Prozent-Steuer, dann können sie das vergessen", sagte der Präsident damals. Kaeser und Krüger sollen dem amerikanischen Präsidenten nun nach Spiegel-Informationen verdeutlichen, wie viele Arbeitsplätze mit deutschen Direktinvestitionen in den USA geschaffen worden seien. BMW und Siemens betreiben Fabriken in den USA. BMW hat aber Pläne, im Jahr 2019 ein Werk in Mexiko zu errichten.

Merkel: Trump soll Deutschland als Teil der EU sehen

Auf dem EU-Gipfel in Brüssel sagte Merkel, dass sie Trump verdeutlichen wolle, dass Deutschland als Teil der EU gesehen werden müsse. Damit reagierte sie auf Ankündigungen aus Amerika, Handelsdispute etwa wegen des deutschen Exportüberschusses in die USA bilateral klären zu wollen. Sie werde darauf hinweisen, dass man Nationalstaat und Mitgliedschaft in der EU als zwei Seiten ein und derselben Medaille ansehe, sagte die Kanzlerin. Dazu gehöre der Hinweis, dass es Kompetenzen wie den Handel gebe, für den die EU-Kommission und nicht die Mitgliedsstaaten zuständig seien.  

Auch in anderen Bereichen haben sich in den vergangenen Monaten Meinungsverschiedenheiten zwischen der deutschen und amerikanischen Regierung abgezeichnet, die besprochen werden wollen. So hatte Trump mehrmals etwa Merkels Flüchtlingspolitik kritisiert, während die deutsche Kanzlerin Trumps erstes Einreiseverbot gegen Flüchtlinge verurteilte. Zudem gibt es Differenzen in der Sicherheitspolitik. Die Haltung des Weißen Hauses zur Nato ist unklar. Zuletzt hatte US-Vizepräsident Mike Pence zugesichert, dass Amerika dem Verteidigungsbündnis verbunden bleibe. Trump hatte die Nato aber zuvor als "obsolet" bezeichnet. Beide fordern aber, dass sich Deutschland und andere westliche Bündnispartner finanziell stärker an der Nato beteiligen. 

Merkel und Trump werden zudem über ihre außenpolitische Zusammenarbeit reden. Bislang bemühten sich deutsche und amerikanische Regierungen stets um gemeinsame Lösungen bei den großen internationalen Krisen, etwa in Syrien, Nahost oder der Ukraine. Seit Trumps Amtsantritt habe sich aber der "Charakter der transatlantischen Beziehungen" verändert, sagte Merkel am Donnerstag.

Ihr Besuch in Washington ist die erste persönliche Begegnung der Kanzlerin mit dem neuen Präsidenten. Neben ihm trifft sie im Weißen Haus voraussichtlich auch Vizepräsident Pence und den Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster.