Auch unter dem früheren Diktator Hosni Mubarak seien Kopten Bürger dritter oder vierter Klasse gewesen, betont Delius. Dennoch waren sie damals sicherer, weil es in dem Polizeistaat generell weniger rechtsfreie Räume und auch weniger islamistische Anschläge gegeben habe.

Den Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi hätten die Christen zwar zunächst mit Erleichterung wahrgenommen, doch dazu habe wenig Anlass bestanden, sagt Delius. Nicht nur, weil die weitere Einschränkung bürgerlicher Rechte unter Al-Sissi natürlich auch koptische Nichtregierungsorganisationen und Parteien trifft. Christen würden vielmehr zu Sündenböcken für die repressiven Maßnahmen, die Al-Sissi gegen die Islamisten ergreift.

Auch deswegen würden sie von Islamisten verstärkt angegriffen, zumal koptische Kirchen oder gar einzelne Gläubige einfache, für den Staat schwer zu schützenden Ziele sind. Der nun verhängte Ausnahmezustand könnte den Unmut gegen Christen weiter schüren, befürchtet Delius. Auch die Egyption Initiative for Personal Rights kommt zu dem Schluss, dass es in Al-Sissis Amtszeit die meisten Angriffe auf Kirchen seit der Revolution gegeben habe.

Versöhnungsgespräch statt Prozess

Al-Sissi müsse den Christen konsequent juristischen Schutz zusichern, verlangt die Gesellschaft für bedrohte Völker. Denn bislang blieben Übergriffe meist ungesühnt. Lokale Behörden würden Kopten vielmehr drängen, Anzeigen zurückzuziehen. Stattdessen würden dann sogenannte Versöhnungsgespräche geführt, bei denen die Kopten schließlich um des lieben Friedens willen nachgeben müssten.

Die ägyptische Menschenrechtsaktivistin Mina Thabet betont zwar, dass die meisten ägyptischen Muslime friedlich mit ihren christlichen Nachbarn zusammenlebten. Von einem Religionskrieg oder systematischen Vertreibungen wie im Irak oder in Syrien könne keine Rede sein. Doch es gibt durchaus Unterschiede. "In Großstädten funktioniert die Koexistenz ganz gut", sagt Delius. Doch vor allem in kleineren Orten gebe es viele Anfeindungen.

Kaum Chancen auf Asyl

Diese regionalen Unterschiede sind ein Grund dafür, dass koptische Christen, obwohl sehr viele von ihnen seit der Revolution 2011 das Land verlassen haben, in Deutschland keine guten Chancen auf Asyl haben. Koptische Asylbewerber würden von deutschen Behörden darauf hingewiesen, dass die Situation etwa in Kairo besser sei als auf dem Land, sagt Delius. Es gebe also innerstaatliche Fluchtalternativen. Auch bei Pro Asyl heißt es: Da die deutsche Regierung in Flüchtlingsfrage mit der ägyptischen Regierung verstärkt kooperieren wolle, stünden die Chancen für koptische Asylbewerber eher schlecht.

So werden sich die Kopten wohl vorläufig mit den Beileidsbekundungen aus aller Welt zufrieden geben müssen. Die Chancen, dass ihre Situation sich in naher Zukunft verbessert, stehen dagegen schlecht.