Vielleicht versteht man Donald Trumps Politikstil nach an diesem Samstag 100 Tagen im Amt besser, wenn man sein Golfspiel beobachtet. Wer den US-Präsidenten auf dem Platz gesehen hat, wird feststellen: Viel Instinkt, wenig Strategie, aber irgendwie bringt er den Ball oft genug doch unter seine Kontrolle. Da geht einer auf die Runde, der nicht so recht weiß, was er tut, und es trotzdem aufs Grün schafft. Seine Fans lieben das. So einen wie den haben sie noch nie gesehen – allein die Kappe! Das Stammpublikum am Kurs ist zwar Besseres gewohnt, schaut aber trotzdem wie gebannt auf den Neuen. Seinen Gegnern macht schon das Spiel gegen ihn keinen Spaß, schlimmer ist noch, wie der Typ immerzu mit seinen Erfolgen prahlt – manche davon gibt es nur in seiner Fantasie.

Die echten sportlichen Leistungen dieses Spielers lassen sich schnell auflisten. Am liebsten ist ihm sicher das Hole-in-one: ein Schlag, drin ist das Ding, da ist man schneller wieder im Clubhaus. In der Politik heißt das regieren per Dekret. Davon hat Trump bis einschließlich Donnerstag dieser Woche bereits 29 unterzeichnet – so viele, wie seit dem Zweiten Weltkrieg kein US-Präsident in seinen ersten 100 Tagen (Harry Truman brachte es vor 72 Jahren auf 57). Von seinen reichen Freunden lässt er sich gern dafür feiern. Und erzählt dann wieder, damit es auch niemand vergisst, wie er die letzte Meisterschaft gewonnen hat und alle gejubelt haben. Von der unglaublichen Party lässt er dann Fotos rumgehen.

Aber das ist dann doch schon wieder eine Weile her, und als Präsident fällt es Trump schwer, schnell einzulochen. Wieder und wieder landen die Bälle im tiefen Gras oder gleich im Sandbunker. Er hatte sich ja viel vorgenommen, aber jetzt quält er sich über den Platz: Die Gerichte kassieren ein ums andere Mal seinen Einreisestopp für Menschen aus einer Reihe muslimischer Länder, seine Mauer an der Grenze zu Mexiko will niemand bezahlen, um die neue Krankenversicherung hat er sich so wenig gekümmert, dass es erst einmal bei der alten bleibt. Denn der Fanclub im Kongress ist zwar so groß wie nie, aber das täuscht: Glücklich mit ihrem Mann sind sie dann doch nicht alle. Am besten hat Trump noch das Supreme-Court-Loch gespielt, aber nur weil seine Leute eine Regeländerung durchgesetzt haben. Trotzdem: Die kleine Runde wollte er in 100 Tagen schaffen; so viele Schläge wie er jetzt schon auf dem Zettel hat, sieht es auch für die große Runde schlecht aus. Weit über Par.

Und wie das eben so ist mit Spielern, die zwar Talent mitbringen und die Platzreife schaffen, sich danach aber nichts mehr sagen lassen wollen: Trump entwickelt sich nicht weiter. Dieselben Sprüche, dieselbe Verachtung für die Grundlagen des Sports: Bürgerrechte, freie Presse und Wissenschaft, Fakten – wer braucht das schon? Trump hat keine Überzeugungen. Was zählt, ist allein er. Deshalb können auch die Betreuer nicht viel ausrichten: Er lernt nur sehr langsam, auf die Tipps zu hören, wie das Grün besser zu lesen wäre. Selbst wenn sie ihm den passenden Schläger reichen, nimmt er immer noch zu oft lieber das große Holz und drischt einfach drauf. Die alten Profis dieses Sports lachen auch über so ein Team: Im Weißen Haus weiß der eine nicht, was der andere tut; manche wissen gar nicht, was sie tun sollen, obwohl sie genau wissen, wie es geht; dafür verlässt sich Trump lieber auf Familienmitglieder, die können tun und lassen, was sie wollen – kaum zu glauben, dass jemand freiwillig für diesen Haufen Pressesprecher sein will. Na ja, es gibt für jeden Golfer einen, der die Tasche schleppt, soll gar nicht schlecht bezahlt sein.

Nun ist Golf allerdings keine Mannschaftsdisziplin – von solchen sagen kluge Menschen ja, sie förderten Gemeinsinn, Toleranz oder gar Empathie. Da hilft schon mal einer dem anderen auf die Beine, selbst wenn er ihn eben umgetreten hat. Doch Trump kennt kein fair play. Und wenn es nicht so läuft, wie es soll, ist ein Spieler seiner Sorte nie verlegen darum, die Schuld bei anderen zu suchen: Einwanderer, überhaupt Minderheiten, Umweltschützer, Chinesen, im Zweifel die Medien – sie sind die Gefahr, stehlen die Jobs und die Show. Dass die also auf dem Platz nichts verloren haben, hat sich Trump womöglich doch von seinem Coach einflüstern lassen. Ob er jetzt noch auf ihn hört, weiß man nicht, Stephen Bannon widmet sich neuen Aufgaben – so ähnlich heißt das ja meist, wenn jemand nicht ganz rausfliegt, aber plötzlich weniger zu sagen hat. Die Fans sind unentschlossen, was sie davon halten sollen; die Kommentatoren finden es richtig, wenn sie auch sonst nicht viel Positives zu berichten haben. Die Stimmung im Clubhaus war jedenfalls schon mal besser.

Doch auch wenn aktuell die Erfolge ausbleiben: Die Saison läuft, alle verdienen gut, die Marke zieht noch. Hohe Werbeverträge, niedrige Steuern – das ist diesem Spieler wichtiger als das athletische Vorankommen. Auf den Zuspruch der Fans mag Trump allerdings nicht verzichten. Weil aber die sportlichen Leistungen hinter dem Plan liegen, wird auch der Jubel leiser und die Reporter stellen unangenehme Fragen. Und da steht er dann am Rande des Golfkurses, das Haar strähnig in die Stirn geschwitzt, und artikuliert wie aus einer anderen Welt. Man versucht, aus Interesse am Spiel oder weil man muss, sich einen Reim darauf zu machen. So wie die Kollegen der Nachrichtenagentur AP, die das große Trump-Interview der vergangenen Woche abzutippen hatten: Sie mussten an 16 Stellen aufgeben und "unverständlich" notieren. Wer das Transkript liest, wird nicht viel schlauer: Ständig laufen die Sätze des Präsidenten ins Nichts oder umgehen sonstwie jeden Sinn. Am Ende lässt sich nur festhalten: Trump kann sein Spiel nicht erklären, weil er selbst nichts davon versteht.

Die Frage ist: Wie lange geht das noch gut? Denn die Vorwürfe, dass bei der Meisterschaft die Russen kräftig mitgeholfen haben, hören nicht auf. Mindestens die 54 Prozent der Amerikaner, die Trump nicht gewählt haben, wollen wissen, ob das Spiel nicht doch manipuliert ist. Auch wenn das Doping im Golf bislang noch nicht so verbreitet ist, davor haben sie in den Clubs überall auf der Welt Angst, davon wollen sie sich die Saison nicht versauen lassen. Die Quoten sind zwar so hoch wie lange nicht in dieser Disziplin, aber gut für den Sport ist das alles nicht.

Im Übrigen, wer das nach 100 Tagen Trump immer noch nicht verstanden hat: Das ist nicht lustig.