Die größte Sorge des chinesischen Präsidenten Xi Jinping dürfte in Mar-a-Lago gewesen sein, dass sein US-amerikanisches Pendant irgendetwas Unvorhergesehenes sagt oder tut. Zum Beispiel einen Handschlag ignoriert oder den richtigen Gesprächston nicht trifft. Nach den bisherigen Erfahrungen kann man bei Donald Trump nie wissen.

Doch Trump blieb bei dem Zusammentreffen in Florida freundlich und war alles andere als unberechenbar oder seltsam. Zumindest in der Außenkommunikation. Beide betonten die sehr gute Atmosphäre, Xi sprach von "enormen Fortschritten" und Trump fand, es habe sich eine "herausragende Beziehung" entwickelt, von der er erwarte, dass dadurch sehr viele Probleme verschwinden könnten. Ob hinter verschlossenen Türen bei Konfliktthemen in einer härteren Tonlage gesprochen wurde, drang nicht nach außen.

Solche Themen gäbe es genug. Zum Beispiel Nordkoreas Atomrüstung, gegen die der Nachbar China aus Sicht von Washington nichts unternimmt. Oder die Handelspolitik: Noch im Wahlkampf und während der ersten Tage im Amt hatte der US-Präsident China als Währungsmanipulator bezeichnet und Strafzölle angedroht. Er machte Peking für den Verlust amerikanischer Arbeitsplätze verantwortlich und fand dafür drastische Worte: "China vergewaltigt unser Land". Dazu stellte Trump engere Beziehungen zum demokratischen Taiwan in Aussicht, das in China als abtrünnige Provinz gilt. In Peking war man darüber ebenso verärgert wie irritiert – blieb aber still.

Insofern hat Trump seinem Staatsgast jetzt den größtmöglichen Gefallen getan. Xi Jinping brauchte in Amerika auf jeden Fall einen reibungslosen Auftritt, einen respektvollen Empfang und angemessene Worte: Im Herbst stehen für den chinesischen Präsidenten innenpolitisch richtungsweisende Personalentscheidungen an. In seiner Funktion als Chef der herrschenden Kommunisten muss Xi beim turnusmäßigen Wechsel in den politischen Führungsgremien der Partei seine eigenen Leute in Stellung bringen.

Den reibungslosen Staatsbesuch vorbereitet hatte Trumps Schwiegersohn und Chefberater Jared Kushner zusammen mit Cui Tiankai, Pekings Botschafter in Washington. Kushners Einfluss auf Trump und die Außenpolitik soll inzwischen sehr weitgehend sein. Das geht nicht nur zulasten des eigentlich zuständigen Ministers in der US-Regierung, Rex Tillerson. Auch die Fraktion der Rechtspopulisten ist stiller geworden.

Im Weißen Haus soll Kushner mehrfach mit deren prominentestem Vertreter Stephen Bannon aneinandergeraten sein. Bannon ist der Rechtsaußen unter Trumps Chefberatern. Der laute und aggressive Nationalismus von Bannon und anderen Mitarbeitern wie Stephen Miller und Peter Navarro war ein wichtiger Bestandteil des Trump-Wahlkampfes. Die düstere Antrittsrede Trumps im Januar hatte diese Fraktion zu verantworten. Die kürzliche Demission von Chefberater Bannon aus dem Nationalen Sicherheitsrat ist ein Hinweis auf den schwindenden Einfluss der rechten Ideologen.