Venezuela hat seinen Austritt aus der Organisation der Amerikanischen Staaten angekündigt. Präsident Nicolás Maduro werde am heutigen Donnerstag einen Brief an die OAS senden, in welchem er Venezuelas Mitgliedschaft in der Organisation zurückziehe, teilte Außenministerin Delcy Rodríguez mit. "Venezuela zieht sich aus der OAS zurück für seine Würde, Unabhängigkeit, Souveränität, für den Frieden und die Zukunft des Vaterlandes", schrieb Rodríguez auf Twitter. 

Der Austritt des Landes kommt nicht überraschend. Venezuela hatte bereits angekündigt, die Organisation verlassen zu wollen, sollten die Außenminister der anderen Mitgliedsstaaten ein Sondertreffen zur Situation in Venezuela einberufen, ohne das Land einzubinden. Der Staatenbund hatte den Druck auf Maduro erhöht, eine  Neuwahl anzusetzen. Maduro sieht das als eine unrechtmäßige Einmischung in die Angelegenheiten Venezuelas. Der Präsident selbst flankierte den Austritt mit den Worten "genug der interventionistischen Misshandlungen und Rechtsbrüche".

OAS-Generalsekretär Luis Almagro hatte wiederholt einen Ausschluss Venezuelas gefordert, sollte dort keine Neuwahl angesetzt werden. Die Spannungen zwischen der OAS, der unter anderem auch die USA angehören, und Venezuela waren gestiegen, nachdem Almagro im März einen Bericht veröffentlicht hatte, worin er Maduro eine systematische Verletzung der Menschenrechte und der Demokratie vorwarf.

Der OAS-Austritt wird zwei Jahre dauern. Venezuela schuldet der OAS noch etwa 10,5 Millionen Dollar. Seit der Gründung der OAS 1948 war kein Land aus dem Staatenverbund ausgetreten.

Erneut Tote bei Protesten

Bei den Protesten gegen Maduro starben zwei weitere Menschen. Damit kamen seit Anfang April bereits 32 Menschen ums Leben. Der Bürgermeister des Stadtteils Chacao in der Hauptstadt Caracas, Ramón Muchacho, teilte mit, dass ein 20-Jähriger durch eine in sein Gesicht abgefeuerte Tränengasgranate getötet worden sei. Zudem starb nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft ein durch Schüsse verletzter 22-Jähriger im Krankenhaus der Stadt Valencia.

Laut Generalstaatsanwältin Luisa Ortega wurden bisher fast 500 Menschen verletzt und mehr als 1.200 festgenommen. Die Opposition warnt vor einer Diktatur durch Präsident Nicolás Maduro und will Neuwahlen.

Die Opposition hatte die Parlamentswahlen 2015 klar gewonnen. Maduro regiert mit Notstandsdekreten weitgehend am Parlament vorbei. Er kündigte zuletzt an, 500.000 Miliz-Angehörige mit Gewehren ausrüsten zu wollen, um einen "rechten Putsch" zu verhindern.