Alt und Neu vermischt sich auch in seinem Programm. Neu ist, darüber zu philosophieren, wie Tiere in der Agrarwirtschaft behandelt werden müssten. Neu ist der Gedanke, dass Firmen der erneuerbaren Energien alle Arbeiter aus der Atombranche einstellen könnten. Und dass er Pestizide in einem Land verbieten will, das der größte Giftnutzer in Europa ist. Zugleich, und das ist sein traditioneller Teil, will er die Rente mit 60 Jahren zurück. Seine Anhänger jubeln für die sechste Republik, eine neue Verfassung, in der eine grüne Regel festschreibt, dass der Natur nicht mehr entnommen werden darf, als sie verkraften kann.

"Wer nicht teilen will, muss dazu gezwungen werden", sagt Mélenchon. Übersteigt ein Gehalt das 20-fache des durchschnittlichen französischen Einkommens, soll es ab dieser Summe mit 100 Prozent Steuern belegt werden.

"Ja, ich bin ein Populist", sagte er einmal. Denn Populismus sei die Abneigung gegen Eliten, die es nicht besser verdient hätten.

Dabei war Mélenchon unter der Jospin-Regierung von 2000 bis 2002 noch ein gemäßigter sozialistischer Bildungsminister – und selbst Teil der Elite. Erst 2008 brach er mit den Sozialisten, die er nun als zu sehr "an die Wirtschaft angepasst" kritisiert. Ja, der Vergleich zum damaligen Vorsitzenden der Linken, Oskar Lafontaine, ist angebracht. Der Deutsche ist ein politischer Freund und Weggefährte von Mélenchon.

Deutschlands Außenpolitikern dürfte Mélenchon allerdings in unguter Erinnerung sein: Er war als mitreißender Redner maßgeblich am "Nein" der Franzosen zur europäischen Verfassung 2005 beteiligt. Heute sitzt er mit der Partei der Linken im Brüsseler Parlament – und will die europäischen Freihandelsverträge auflösen.

"Ich werde Deutschland die Stirn bieten", kündigte er mehrfach im Wahlkampf an. Sollte Deutschland nicht zu neuen, sozialeren EU-Verträgen bereit sein, müsse eine Volksabstimmung über einen Verbleib in der EU entscheiden. "Europa ist nichts ohne Frankreich, wir haben die Macht, es zu verändern", sagt Mélenchon. Das klingt für manche wie eine Drohung. Seine Anhänger aber lieben ihn für die Radikalität. Ehemalige Nicht-Wähler sind es, die Mélenchon Auftrieb verschaffen und enttäuschte Linke. Als er im März bei einer Demonstrationen in Paris vor Zehntausenden die Internationale anstimmte, weil es der Geburtstag der Pariser Kommune war, sangen einige Zuhörer mit, aber nur einige. Viele andere kannten das Kampflied der Arbeiterbewegung gar nicht mehr.