Der sozialliberale Emmanuel Macron und die rechtsextreme Marine Le Pen ziehen in die Stichwahl um die französische Präsidentschaft ein. In Frankreich formiert sich in den Lagern der Verlierer bereits breite Unterstützung für Macron. Auch im Ausland reagieren erste Politiker erfreut über das gute Ergebnis des Proeuropäers.

Macron will vor der zweiten Wahlrunde am 7. Mai ein Bündnis gegen Le Pen bilden. Macron sagte am Sonntagabend vor jubelnden Anhängern in Paris, er wolle der "Präsident der Patrioten" sein, die sich geschlossen der "Bedrohung durch die Nationalisten entgegenstellen". Er stehe für einen "Weg der Hoffnung für unser Land und für Europa".

Die Front-National-Kandidatin Le Pen nannte das Wahlergebnis "historisch". Sie rief ihre "alle Patrioten" auf, sie in der zweiten Runde der Wahl zu unterstützen. Es sei an der Zeit, das französische Volk von der "arroganten Elite" zu befreien.

Der amtierende französische Präsident François Hollande gratulierte Macron in einem Telefonat zum Einzug in die Stichwahl. Frankreichs Premierminister Bernard Cazeneuve und Außenminister Jean-Marc Ayrault gingen einen Schritt weiter und appellierten an die Franzosen, in der Stichwahl Macron zu wählen. Laut dem Sozialisten Cazeneuve gehe es nun darum, Le Pens rechtsextremen Front National zu schlagen, und "ihr unheilvolles Programm eines Rückschritts Frankreichs und der Spaltung der Franzosen" zu verhindern.

Der konservative Präsidentschaftskandidat François Fillon räumte seine Wahlniederlage ein und rief ebenfalls zur Wahl des Mitte-Politikers Macron auf. "Die Enthaltung entspricht nicht meinen Genen", sagte er am Sonntagabend mit Blick auf den Einzug der Rechtspopulistin Marine Le Pen in die Stichwahl. "Es gibt keine andere Wahl, als gegen die Rechtsextreme zu stimmen", sagte der konservative Ex-Premier. Der Front National stehe für "Gewalt und Intoleranz" und könne Frankreich nur "Unglück und Spaltung" bringen.

Auch der Kandidat der regierenden Sozialisten, Benoît Hamon, gestand seine Wahlniederlage ein und rief zur Unterstützung Macrons auf. "Ich bin dabei gescheitert, das Desaster, das sich angekündigt hatte, zu verhindern. Ich übernehme dafür die volle Verantwortung", sagte Hamon vor seinen Anhängern. Die "Auslöschung der Linken durch die extreme Rechte" sei eine schwere Wahlniederlage. "Ich rufe dazu auf, den Front National so deutlich wie möglich zu schlagen, mit Stimmen für Emmanuel Macron, auch wenn er nicht der Linken angehört."

Als einziger der aussichtsreichen, aber unterlegenen Kandidaten, will der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon keine Empfehlung für den zweiten Wahlgang abgegeben. Er warf den beiden Finalisten vor, sich an "den wesentlichsten sozialen Errungenschaften des Landes" vergreifen zu wollen. Mélenchon will statt einer Wahlempfehlung die 450.000 Personen befragen, die seine Kandidatur unterstützt hatten, sagte er am Sonntagabend. Das Ergebnis dieser Befragung werde dann veröffentlicht.

Breite Unterstützung für Macron

Deutschlands Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßte das gute Abschneiden Macrons im ersten Wahlgang. "Ich bin sicher, er wird der neue französische Präsident", sagte Gabriel in der jordanischen Hauptstadt Amman. "Er war der einzige proeuropäische Kandidat, der sich nicht versteckt hat hinter Vorurteilen gegenüber Europa."

Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gratulierte Macron nach Angaben seines Sprechers in einem Telefonat. Juncker habe Macron außerdem alles Gute für den zweiten Wahlgang gewünscht. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini schrieb auf Twitter: "Zu sehen, wie die Flaggen Frankreichs und der EU das Ergebnis von Emmanuel Macron begrüßen – das ist die Hoffnung und die Zukunft unserer Generation."

Steffen Seibert, Sprecher der Bundesregierung, begrüßte den Erfolg Macrons ebenfalls. "Gut, dass Emmanuel Macron mit seinem Kurs für eine starke EU und soziale Marktwirtschaft Erfolg hatte", schrieb Seibert auf Twitter. "Alles Gute für die nächsten 2 Wochen."

Gute Nachricht für Frankreich

Norbert Röttgen (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, sagte dem Fernsehsender Phoenix: "Ich meine, dass es für Deutschland und Europa nicht besser geht. Ich glaube, wir können nun hoffnungsvoll sein, dass Macron Präsident wird."

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bewertete das Ergebnis Macrons als Erfolg für ein geeintes Europa. Nach Geert Wilders in den Niederlanden habe nun auch Marine Le Pen, eine "Antieuropäerin und offene Rassistin", eine Niederlage erlitten, sagte Schulz. Das sei eine gute Nachricht für Frankreich, Deutschland und Europa. Nun müssten sich im zweiten Wahlgang alle Franzosen, die ein tolerantes Europa und offene Grenzen wollten, hinter Macron versammeln.

Ein Signal der Erneuerung

Cem Özdemir, Vorsitzender der Grünen, schrieb auf Twitter: "Merci, la France!" und gratulierte Macron. Auch der FDP-Vorsitzende Christian Lindner äußerte sich optimistisch. "Ein Signal für Europa, ein Signal der Erneuerung", twitterte der Politiker nach der Veröffentlichung der ersten Hochrechnungen. "Emmanuel Macron macht auch Deutschland Mut."

Die Linken-Politikerin Sarah Wagenknecht freute sich dagegen über das gute Ergebnis des Kandidaten Jean-Luc Mélenchon, auf Twitter schrieb sie: "Fast 20 Prozent: ein grandioser Erfolg für die französische Linke!" Das Abschneiden Macrons bedauerte Wagenknecht in einem Interview. Er stehe für eine Politik des Sozialabbaus, die den Front National erst stark gemacht habe, sagte sie.