Nach dem Taliban-Angriff auf einen Stützpunkt des afghanischen Militärs sind der afghanische Verteidigungsminister Abdullah Habibi und Armeestabschef Kadam Schah Schahim von ihren Ämtern zurückgetreten. Präsident Aschraf Ghani habe die Rücktrittanträge am Montag akzeptiert, berichteten zwei Regierungsbeamte. Das Büro des Präsidenten bestätigte die Rücktritte auf Twitter. Die Nachfolge ist noch nicht geklärt.

Der Angriff vom Freitag ist einer der schwersten Attacken der Taliban auf eine Militäranlage, die es je gab. Eine abschließende offizielle Bilanz zu den Opfern der Attacke auf Camp Schahin in der afghanischen Provinz Balch liegt noch nicht vor. Örtliche Behördenvertreter sprachen von 130 bis 160 Toten.  

Mattis in Afghanistan eingetroffen

Kurz nach Bekanntwerden der Rücktritte traf US-Verteidigungsminister Jim Mattis unangekündigt in Afghanistan ein. Bei seinem ersten Besuch im Land will Mattis unter anderem mit Präsident Ghani zusammenkommen. Vor zwei Wochen hatten die USA ihre größte nicht-atomare Bombe in Afghanistan abgeworfen. Ziel waren Tunnel und Verstecke der Terrormiliz "Islamischer Staat". Dabei sollen mehr als 90 IS-Kämpfer getötet worden sein.

Trotz der verschärften Sicherheitslage erhalten in Deutschland immer weniger Flüchtlinge aus Afghanistan Asyl. Die Anerkennungsquote sank einem Bericht zufolge von rund 78 Prozent im Jahr 2015 auf rund 48 Prozent Anfang dieses Jahres. Die Bundesregierung schiebt unter Protest der Opposition und einiger Bundesländer außerdem verstärkt abgelehnte Asylbewerber mit Sammelflügen nach Afghanistan ab. Am Montag startet der fünfte dieser Flüge aus Bayern in Richtung Kabul.