Wer vor eineinhalb Jahren allen Ernstes an die Rettung der Welt geglaubt hat, bloß weil die UN in Paris einen Klimavertrag schlossen, der musste soeben eine tiefe Enttäuschung erleben. Welt doch nicht gerettet! USA planen den Ausstieg! Wie furchtbar!

In Wirklichkeit ist es natürlich eine zutiefst etatistische Allmachtsphantasie, zu hoffen, ein so schwacher, widersprüchlicher Akteur wie die Vereinten Nationen könnte sieben, demnächst acht Milliarden Menschen dazu zwingen, ihren Lebensstil für die kommenden Jahrzehnte einem internationalen Regelwerk zu unterwerfen.

Nicht missglückte Klimadiplomatie heizt die Erdatmosphäre auf, sondern Treibhausgase tun es. Um mal daran zu erinnern, wo die Messlatte liegt: Ab 2020 muss die Welt alle zehn Jahre lang ihren CO2-Ausstoß halbieren – so hat es der frühere Regierungsberater Hans Joachim Schellnhuber kürzlich vorgerechnet, immerhin der Leiter jener Arbeitsgruppe der EU, die ermitteln soll, wie der Klimavertrag von Paris sich umsetzen ließe.

Halbieren und wieder halbieren, alle zehn Jahre lang – das entspricht einer jährlichen Verminderung des Ausstoßes von Treibhausgas, wie er in entwickelten Ländern bislang allenfalls ausnahmsweise mal in Folge eines tiefen Wirtschaftseinbruchs aufgetreten ist. Und das in einer Welt, deren Bevölkerung und deren Wohlstand schnell wachsen.

Dieses schöne Weltrettungsprogramm soll nun scheitern – und zwar an der Widerborstigkeit des neuen US-Präsidenten? Das ist, pardon, dann doch ein bisschen zu naiv.

Auch Deutschland ignoriert seine Ankündigungen

Wenn ein Weltklimavertrag überhaupt so etwas wie eine bremsende, regulierende Funktion entfaltet, wird man sich diese Wirkung kaum als globale Treibhausplanwirtschaft vorstellen können. Mit Widerstand ist zu rechnen, Länder werden aus- und wieder einsteigen, soeben beginnen die USA ein solches Manöver. Und natürlich ist offene Obstruktion, wie die Trump-Regierung sie übt, nur eine Form des Widerstands. 

Die deutsche Methode besteht eher darin, die große Bedeutung des Klimaschutzes zu betonen, um ihn zu ignorieren, wenn es darauf ankommt: beim Atomausstieg, in der Verkehrspolitik, im Wohnungsbau. Alle zehn Jahre, ganz grob geschätzt, braucht Deutschland ein neues Klimaziel – damit nicht auffällt, dass das jeweils letzte nach jahrelanger Vernachlässigung unerreichbar geworden ist.

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Wer auf die wörtliche Umsetzung des Pariser Vertrags hofft, der muss selbstverständlich davon ausgehen, dass Staaten ihre Verpflichtungen aus diesem Vertrag uneingeschränkt erfüllen. Als Deutsche leben wir in einem Land, das sich selbst für einen klimapolitischen Musterknaben hält, aber die eigenen Ankündigungen und Versprechen beharrlich ignoriert. Wir sollten es besser wissen.

Wir sollten allerdings auch wissen, worauf wir bauen oder zumindest hoffen können. Das Tempo, in dem grüne Technik sich entwickelt und zunehmend konkurrenzfähig wird, hängt nicht von Entscheidungen einzelner Regierungen ab. In China wächst eine neue Mittelschicht heran, die Smog und Umweltzerstörung nicht mehr ohne Weiteres hinzunehmen bereit ist. Das, und nicht etwa klimapolitisches Verantwortungsbewusstsein, zwingt die politische Führung des Landes zum grünen Umbau. Und China, nicht etwa Amerika, ist das Modell, dem Afrikaner und Inder nacheifern – sofern sie sich überhaupt an anderen orientieren. Weshalb das Pariser Vertragswerk auch nicht gleich zerbröckelt, bloß weil die USA jedenfalls zeitweise nicht mehr mitspielen.

Die USA steigen aus, das ist schade. Wir Deutschen allerdings sollten uns um unsere Autos kümmern, um unsere Häuser, um unsere Kohlekraftwerke. Es gibt ein paar Dinge auf der Welt, an denen Donald Trump nicht schuld ist.

Wie sich Deutschland erwärmt

Wärmste und kälteste Monate seit 1881 (bezogen auf die Durchschnittstemperatur). Die Mehrzahl der Wärmerekorde wurde in den letzten 15 Jahren gesetzt, Kälterekorde gab es seit 75 Jahren nicht mehr.