US-Präsident Donald Trump sieht sich seit Tagen dem Vorwurf ausgesetzt, er habe versucht, Einfluss auf FBI-Ermittlungen auszuüben und damit die Justiz behindert. Die Washington Post berichtet nun von weiteren Bemühungen Trumps, die Ermittlungen über Verbindungen seines Wahlkampfteams mit russischen Offiziellen zu beeinflussen. Demnach bat der US-Präsident den Chef der National Security Agency (NSA), Michael S. Rogers, sowie Daniel Coats, Direktor der nationalen Nachrichtendienste, öffentlich zu versichern, dass die Vorwürfe haltlos seien.

Dem Bericht zufolge nahm Trump mehre Male persönlich Kontakt auf, um Rogers und Coats zu überzeugen. Beide verweigerten demnach die geforderte Einmischung, sie hielten ein solches Vorgehen für unangemessen.

Im März hatte der inzwischen von Trump entlassene FBI-Chef James Comey in einer Kongressanhörung bestätigt, dass die Bundespolizei eine mögliche Einflussnahme Russlands auf die US-Präsidentschaftswahl 2016 untersucht – und dass auch die Rolle des Wahlkampfteams von Donald Trump Gegenstand der Ermittlungen sei. Stimmen die Anschuldigungen der anonymen Regierungsbeamten, die mit der Washington Post gesprochen haben, hat Trump auf Comeys Anhörung mit potenziell strafbaren Einflussversuchen reagiert.

Adam Schiff, der höchste Demokrat im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, bezeichnete die mögliche Einmischung Trumps in FBI-Ermittlungen als "verstörenden Vorwurf". Eine Aussage Comeys vor dem Aufsichtsausschuss des US-Repräsentantenhauses wurde unterdessen verschoben. Der republikanische Vorsitzende des Ausschusses, Jason Chaffetz, twitterte am Montag, dass Comey zunächst mit dem neuen Sonderermittler Robert Mueller sprechen wolle. Dieser war vergangene Woche vom US-Justizministerium ernannt worden, um die mögliche russische Einflussnahme auf die US-Wahl im vergangenen Jahr und mutmaßliche Verbindungen des Teams von Trump nach Moskau zu untersuchen.

Chaffetz hat angefordert, dass das FBI alle Dokumente und Aufnahmen übergibt, die die Kommunikation zwischen Comey und dem Präsidenten festhalten. Er will feststellen, ob Trump versucht hat, die FBI-Ermittlungen zu dem früheren Sicherheitsberater Michael Flynn zu beeinflussen oder zu behindern. In diesem Zuge hatte er Comey vor den Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses geladen. Flynn hat inzwischen mitgeteilt, er werde von seinem Recht Gebrauch machen, sich nicht selbst zu belasten, und vor keinem der Ausschüsse aussagen.

Trump befindet sich derzeit auf seiner ersten Auslandreise als US-Präsident. Bei seinem Besuch im Nahen Osten wird er am Dienstag Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Westjordanland treffen. Thema wird auch die mögliche Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern sein. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte sich am Montag zuversichtlich gezeigt. Trump könne den Friedensprozess eventuell wieder in Gang bringen, sagte er.