Im Wahlkampf hatte Donald Trump den Islam und die Muslime stets scharf attackiert. Im Amt versuchte er bereits nach wenigen Tagen, einen pauschalen Einreisestopp gegen Bürger aus sechs muslimischen Ländern durchzusetzen. Bei seinem Besuch in Saudi-Arabien, dem ersten in der islamischen Welt, schlug der US-Präsident jetzt erstmals moderatere Töne an. "Unser Ziel ist eine Koalition der Nationen, welche das gleiche Ziel haben, den Extremismus auszurotten und ihren Kindern eine hoffnungsvolle Zukunft zu bieten", sagte er in einer Grundsatzrede in Riad.

Dies sei kein Kampf zwischen verschiedenen Religionen oder verschiedenen Zivilisationen, sondern ein Kampf zwischen barbarischen Kriminellen, die das Leben auslöschen wollten, und anständigen Menschen, die das Leben schützen wollten. "Dies ist ein Kampf zwischen Gut und Böse." Wenn ein Terrorist im Namen Gottes einen unschuldigen Menschen ermorde, sei das ein Angriff auf alle Gläubigen.

Trump betonte aber auch, der Nahe Osten müsse sich "ehrlich der Krise des islamistischen Extremismus stellen". Amerika sei bereit, den Staaten in der Region zur Seite zu stehen. Aber die Länder könnten nicht einfach darauf warten, dass die USA den Kampf für sie übernehme.

Am Vortrag war Trump auf der Arabischen Halbinsel mit großem Pomp empfangen worden. Plakatfotos mit Trump und König Salman unter dem Motto "Gemeinsam siegen wir" säumten die Straßen. Kampfflugzeuge donnerten zur Begrüßung über die Köpfe hinweg. Auf die gesamte Fassade des Ritz-Carlton-Hotels in Riad, in dem Trump und seine Familie übernachteten, wurde die amerikanische und die saudische Flagge projiziert. 

Bei ihrem Treffen im Murabba-Königspalast vereinbarten die beiden Staatschefs den größten Rüstungsauftrag in der amerikanischen Geschichte. "Das war ein enormer Tag, das sind enorme Investitionen in Amerika, Hunderte Milliarden Dollar und Jobs, Jobs, Jobs", triumphierte Trump. Wie der saudische Außenminister Adel al-Dschubeir auf einer Pressekonferenz erläuterte, will sein Land in den nächsten Jahren 380 Milliarden Dollar in den USA investieren, von denen 110 Milliarden in Waffenkäufe gehen. Das Kriegsgerät solle Saudi-Arabien helfen, dem "schädlichen Einfluss des Iran" etwas entgegenzusetzen, erklärte US-Außenminister Rex Tillerson.

Geliefert werden sollen unter anderem Schiffe für die Küstenwache, das Raketenabwehrsystem Thaad zur Verteidigung gegen Kurz- und Mittelstreckenraketen, Kampfhubschrauber, gepanzerte Fahrzeuge, Raketen und Munition. Den wiedergewählten iranischen Präsidenten Hassan Ruhani rief Tillerson auf, die Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit umzusetzen. Über die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien dagegen, wo der Blogger Raif Badawi jetzt fast fünf Jahre hinter Gittern sitzt, verlor er kein Wort.

Trump dämonisiert den Iran

Für Saudi-Arabien hat der Trump-Besuch im Blick auf den Erzrivalen Iran hohe strategische Bedeutung. König Salman bezeichnete den Iran vor dem Besucher als "Speerspitze des globalen Terrorismus". Er bestritt zugleich, das sein Land ebenfalls für die Verbreitung des Terrors in der Region verantwortlich sei. Saudi-Arabien kann demonstrieren, dass es als Hüter von Mekka und Medina, den beiden heiligsten Stätten des Islam, die Führungsposition unter den muslimischen Nationen innehat. Die USA verpflichten sich mit ihren enormen Waffenverkäufen de facto, im Falle eines militärischen Konfliktes den Schutz der Monarchie zu garantieren.

Den saudischen Herrschern kommt es gelegen, dass Donald Trump dazu neigt, den Iran zu dämonisieren. Bereits im Wahlkampf hatte er das Atomabkommen seines Vorgängers Barack Obama als "schlechtesten Deal der Geschichte" bezeichnet. Im Februar eskalierte der Streit zwischen beiden Ländern beinahe: Der Iran testete eine ballistische Mittelstreckenrakete und die USA antworteten mit neuen Sanktionen gegen Akteure und Institutionen, die sie hinter dem Test vermuteten.

Saudi-Arabien strebt nach einer panislamischen Allianz, einer sunnitisch-muslimischen Nato, die sich als Bollwerk gehen die sunnitischen Dschihadisten und gegen die panschiitischen Militärpläne von Iran, Hisbollah, dem Assad-Regime und Iraks Milizen versteht. Donald Trump greift diese Pläne einer sunnitischen Allianz, die seit Längerem diskutiert wird, nun auf und befördert sie. Mit einer so pauschalen Parteinahme – hier der Verbündete Saudi-Arabien, dort der Feind Iran – verschärft Trump die Konflikte in der Region.

Nur ganz vereinzelt gab es Stimmen, die die arabischen Machthaber warnten, zu naiv auf Trump zu vertrauen. "Donald Trump ist ein lächerlicher Mann, er ist ein kindischer Mann. In den USA gilt er als Witzfigur, als Rassist, als ein Mann ohne Eigenschaften – ohne Perspektiven, ohne Visionen, ohne Werte", urteilte Fawaz A. Gerges, Professor für internationale Beziehungen an der London School of Economics. "Ich kann nur hoffen, dass die arabischen Führer nicht alle ihre Eier in dieses Nest legen. Denn das Nest von Donald Trump ist voller Löcher."