Nach der Rückkehr von seiner neuntägigen Auslandsreise nach Washington holt die Russland-Affäre Donald Trump wieder ein. Während seiner Abwesenheit ist der Druck auf das Weiße Haus noch gewachsen. Die Ermittlungen zu Russlands Rolle im US-Wahlkampf 2016 und mögliche Verbindungen zu Trumps Wahlkampfteam ziehen immer engere Kreise um den Präsidenten: Inzwischen ermittelt das FBI gegen seinen Schwiegersohn Jared Kushner. Die New York Times berichtet zudem, Trump plane ein Krisenzentrum im Weißen Haus zur Bewältigung der wachsenden politischen und juristischen Herausforderungen einzurichten.

Demnach will Trump sein privates juristischen Team erweitern und mehrere erfahrene Anwälte anstellen. Außerdem soll die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit neu organisiert werden. Trumps Sprecher Sean Spicer könnte künftig eine reduzierte Rolle zugewiesen bekommen, berichtet die Washington Post.

Die Idee soll von Trumps Chefstrategen Stephen Bannon kommen, der zuletzt Einfluss im Weißen Haus verloren hatte. Ziel des Krisenzentrums sei es, aggressiver gegen die nicht abreißende Serie schädlicher Enthüllungen im Zusammenhang mit Kontakten zwischen Trumps Wahlkampflager und der russischen Regierung vorzugehen. Eine für die kommende Woche geplante Großkundgebung in Iowa sagte Trump ab.

Die Washington Post hatte am Freitag berichtet, Trumps Schwiegersohn und enger Berater Jared Kushner habe dem russischen US-Botschafter Sergej Kisljak im Dezember einen geheimen Kommunikationsdraht zum Kreml vorgeschlagen. Kushner wollte demnach erreichen, dass sich Trump und sein Kernteam ohne das Wissen der US-Regierung mit russischen Offiziellen austauschen. Der New York Times zufolge schlug Kushner vor, den geheimen Kanal zur Erörterung von Syrien-Strategien und anderen Fragen zu benutzen. Kushner gehörte damals dem Trump-Übergangsteam an.

Das Weiße Haus hatte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen geäußert. Wenige Stunden nach seiner Rückkehr in die USA startete Trump jedoch einen neuen Angriff gegen die Medien. Er glaube, dass vieles von dem, was angeblich durch undichte Stellen im Weißen Haus an die Öffentlichkeit gelange, fabrizierte Lügen seien, twitterte der US-Präsident. Wann immer man die Wörter "Quellen sagen" in den "Fake News Medien" sehe und keine Namen genannt würden, sei es sehr gut möglich, dass diese Quellen erfunden seien. "Fake News Medien sind der Feind!", schrieb Trump.

Trump könnte weiter unter Druck geraten, wenn der vom US-Präsidenten entlassene FBI-Chef James Comey vor einem Untersuchungsausschuss des Kongresses aussagt. Bereits in den nächsten Tagen könnte es soweit sein. Dabei geht es um die Frage, ob Trump versucht hat, die Untersuchung von Kontakten seines Wahlkampflagers zu Russland aktiv zu behindern.

Der Geheimdienstausschuss des Senats hat zudem Trumps Wahlkampfkomitee aufgefordert, dem Gremium alle Unterlagen zurückreichend bis Juni 2015 zu übergeben. Dies ist laut Washington Post das erste Mal, dass ein Senatsausschuss das gesamte Wahlkampflager zum Gegenstand von Ermittlungen macht. Bisher seien nur Einzelpersonen Ziel der Untersuchungen gewesen.

Russland wird der Versuch vorgeworfen, die US-Präsidentschaftswahl zugunsten von Donald Trump zu beeinflussen. Die Bundespolizei FBI und mehrere Kongressausschüsse untersuchen vor diesem Hintergrund Kontakte des Trump-Lagers nach Moskau. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob es Absprachen beider Seiten und Versuche einer Vertuschung gegeben hat.