Syrien - Macron droht mit Vergeltung bei weiterem Giftgaseinsatz Russlands Präsident Wladimir Putin hat seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron besucht. Der Syrien-Konflikt stand im Mittelpunkt der Gespräche. © Foto: Christophe Archambault/AFP/Getty Images

Die überwältigende Kulisse konnte nicht über den Pragmatismus des Augenblicks hinwegtäuschen. Der neue französische Präsident Emmanuel Macron empfing Wladimir Putin vor den Büsten französischer Kriegsführer in der berühmten Schlachtengalerie im Prinzenflügel des Schlosses von Versailles. Pompöser, martialischer ging es kaum. Dabei sahen sich Macron und der russische Präsident eine Ausstellung über Peter den Großen in Versailles an: Jener Zar, der Putins Heimatstadt Sankt Petersburg aufbaute und an gleicher Stelle in Versailles vor 300 Jahren die diplomatischen Beziehungen zu Frankreich knüpfte. Putin verehrt ihn wie kaum einen anderen.

Und doch sollte der große historische Rahmen für das erste "Arbeitstreffen" des neu gewählten französischen Präsidenten mit seinem russischen Gegenüber praktisch keine Bedeutung haben: "Dialog und Anspruch" hatte Macron zur Begrüßung getwittert, um seine Distanz zu Putin deutlich zu machen. Der hatte erst wenige Tage zuvor unverblümt vom "gegenseitigen Misstrauen" gesprochen, das die Beziehungen zwischen Russland und Frankreich präge. Wird es dabei bleiben?

Aus deutscher Sicht fragt man sich natürlich immer, wenn Franzosen und Russen, die großen Nachbarn, sich treffen, ob sie etwas gegen Deutschland im Schilde führen. Und mit dieser Sorge der Deutschen spielen Paris und Moskau dann gern. Erstaunlich deshalb, wie die französischen Beobachter fast einhellig Macrons erste internationale Auftritte im Rahmen einer wiedergefundenen deutsch-französischen Allianz deuten. Erst sein langer, viel kommentierter Händedruck mit US-Präsident Donald Trump auf dem Nato-Gipfel, mit dem sich der junge Franzose "Respekt verschaffen wollte", wie er später selbst zugab. Nun die Begrüßung Putins im Schloss von Versailles: dieses Mal ohne langen Händedruck, aber auch ohne das typische Macron-Lächeln.

Putin in der Defensive

Es wirkt für die französischen Beobachter, als wolle sich Macron mit stets der gleichen Distanz zu den Großen dieser Welt bewegen wie die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Der diplomatische Gleichschritt, den er (Macron) mit Angela Merkel hinlegt, zeigt ein unübersehbares Savoir-faire", kommentierte sogar die Macron-kritische Pariser Tageszeitung Libération. Das Lob schloss die Kanzlerin ausdrücklich ein: In ihrer Münchener Bierzeltrede vom Wochenende hatte sie schließlich ihre neue Freundschaft zum jungen französischen Präsidenten nach ihrem Ärger mit Trump besonders betont.

Also wollte Macron keinesfalls im Gleichschritt mit Putin auftreten – so sehr sich die militärische Kulisse in Versailles dafür auch anbot. Die Aufgabe war eine leichte. Hatte nicht Putin noch mitten im französischen Wahlkampf im März Macrons Gegnerin Marine Le Pen im Kreml empfangen? Hatten die russischen Medien nicht monatelang Gerüchte über Macron gestreut, er sei schwul und auch ansonsten unberechenbar? Also durfte niemand von Macron Liebeserklärungen für Putin erwarten. Und umgekehrt. Aus deutscher Sicht durchaus beruhigend.

Entsprechend bedienten die Journalisten Macron auf der abschließenden Pressekonferenz genau mit den ihm genehmen Fragen: Ob es denn wirklich eine Erwärmung im französisch-russischen Klima geben könne nach den vielen Fauxpas mit Le Pen im Wahlkampf? "Ich spüre nur die Wärme dieses Saales", antwortete der junge Präsident wie ein alter. Der Rest sei Politik, die sich um die wirklichen Probleme kümmern müsse. Putin geriet dabei wie gewünscht in die Defensive: Denn er musste noch einmal über seinen Empfang von Le Pen im Kreml sprechen. Die habe sich schließlich immer um die russisch-französischen Beziehungen gekümmert. "Warum sollte ich Madame Le Pen also nicht empfangen?", fragte Putin.

Im Grunde waren das nun Nebensächlichkeiten. Man hätte gern genauer gewusst, was Putin und Macron über Syrien vereinbarten. Immerhin soll es da jetzt eine französisch-russische Arbeitsgruppe geben. Zur Ukraine aber war ihre Botschaft klar: Man wolle das Gespräch mit Berlin und Kiew im sogenannten Normandie-Format zu viert gern fortsetzen. Als gäbe es darüber ohne Deutschland nichts zu sagen. Und Macron erklärte auch noch schnell, dass er nach seinem Treffen mit Putin in Versailles gleich die Kanzlerin anrufen werde, um sie zu informieren. Als meinte er es wirklich ernst mit dem Gleichschritt.