Jared Kushner, der Schwiegersohn und einer der engsten Berater von US-Präsident Donald Trump, steht nach Medienberichten nun mit im Fokus von Russland-Untersuchungen der Bundespolizei FBI. Sie sollen klären, ob es 2016 vor der US-Wahl Absprachen zwischen Russland und Trumps Wahlkampfteam gegeben hat.

Damit haben die Untersuchungen nicht nur das Weiße Haus, sondern Trumps engstes Umfeld erreicht. Die Washington Post und der Sender NBC beriefen sich auf mehrere nicht genannte Quellen in der US-Regierung. Die Ermittler gingen davon aus, dass Kushner relevante Informationen habe, hieß es. Ihre Untersuchungen bedeuteten aber nicht, dass sie ihn eines Verbrechens beschuldigten oder beabsichtigten, ihn zu belangen.

Die Washington Post hatte vergangene Woche berichtet, dass eine Trump nahestehende Person das Interesse der Ermittler geweckt habe. Nun schreibt das Blatt, die Ermittler interessierten sich vor allem für einige Treffen Kushners mit dem russischen Botschafter und einem Moskauer Bankier.

Kushner ist mit Trumps Tochter Ivanka Trump verheiratet. Im Weißen Haus ist er ein mächtiger Mann im Hintergrund. Er ist unter anderem mit dem Friedensprozess in Nahost betraut, kümmert sich aber auch um die Beziehungen zu China und eine Strafrechtsreform.

Mögliche Verstrickungen zwischen Trumps Team und Russland belasten Trumps Präsidentschaft von Beginn an. Nach geheimdienstlichen Erkenntnissen versuchten Akteure in Moskau, die Präsidentenwahl zu Trumps Gunsten zu beeinflussen. In der FBI-Untersuchung und den Ermittlungen von Kongressausschüssen geht es hauptsächlich um die Frage, ob es Absprachen zwischen Mitgliedern aus Trumps Wahlkampfteam und Moskau gab. Das Justizministerium setzte vergangene Woche einen Sonderermittler ein, der die FBI-Untersuchungen leiten soll.

Der von Trump entlassene FBI-Chef James Comey will sich demnächst öffentlich äußern. Trump hatte ihn am 9. Mai entlassen und sieht sich deswegen Vorwürfen ausgesetzt, er habe die Russland-Ermittlungen des FBI untergraben wollen. Er hatte zunächst verschiedene Gründe für seine Handlung angegeben, sagte dann aber, er habe "dieses Russland-Ding im Kopf gehabt".

Der Auftakt von Trumps Auslandsreise war von neuen Vorwürfen begleitet worden. Er soll bei einem Treffen mit russischen Spitzenvertretern erklärt haben, Comeys Entlassung habe "großen Druck" aus den Ermittlungen zu möglichen Moskau-Verstrickungen seines Wahlkampfteams genommen. Juristen zufolge könnte das, wenn es zutrifft, den Verdacht einer Rechtsbehinderung durch den Präsidenten untermauern.