Dogfights nennt sich das, was sich die türkische und griechische Luftwaffe täglich liefern: ein Kräftemessen zwischen gegnerischen Kampfflugzeugen; wie Hunde umkreisen sich die Jets, bis der Stärkere die Oberhand gewinnt. Diese Kurvenkämpfe, wie sie beim Militär heißen, finden immer dann statt, wenn das türkische Militär in den griechischen Luftraum eindringt. Seit diesem Jahr bis zu mehrere Hundert Mal täglich. In den vergangenen Jahrzehnten hatten sich diese Grenzverletzungen als eine Art professionelles Flugtraining etabliert.

Doch inzwischen hat sich die Tonlage zwischen den Nachbarstaaten und Nato-Mitgliedern erheblich gewandelt, und zwar zum Schlechten. Es geht um Territorialansprüche und alte Rivalitäten. Seit ein paar Monaten wird in Griechenland vermehrt über Provokationen von türkischer Seite berichtet, von Grenzüberschreitungen in Luft und auf See, die über das bekannte Maß hinausgehen. Und es geht die Sorge um, dass die Dogfights, die per se schon ein Sicherheitsrisiko darstellen, an den engen Grenzen einmal als Werkzeug dienen könnten, bilaterale Konflikte zu schüren.

Als es im Mai 2006 zu einem Absturz von Kampfjets nahe der Insel Karpathos kam, bei dem der griechische Pilot tödlich verunglückte, der türkische gerettet werden konnte, hielten die Regierungen beider Länder noch an der Verbesserung ihrer bilateralen Beziehungen fest. Ein Jahrzehnt später haben sich die Konstellationen grundlegend verändert.

Die Dogfights eskalieren lassen

Der Hauptgrund für die Spannungen heute ist eine Entscheidung des obersten griechischen Gerichts, jene acht türkischen Militärs nicht auszuliefern, die in der Nacht des Putschversuches im Juli 2016 mit einem Hubschrauber in die angrenzende Stadt Alexandroupoli flohen und anschließend in Griechenland Asyl beantragten. Nach einem erneuten Antrag der Türkei, die die Soldaten beschuldigt, am versuchten Sturz der Regierung beteiligt gewesen zu sein, wurde die Auslieferung jetzt ein zweites Mal abgelehnt. Die Begründung: In der Türkei drohe ihnen ein unfaires Verfahren und Folter.

Was diesen Streit jetzt gefährlich macht, sind die sich heiß laufenden Dispute um Inseln und Meeresgebiete. Das Problem dahinter ist, dass der Grenzverlauf zwischen Griechenland und der Türkei selbst Auslegungssache ist.

Nach internationaler Gesetzgebung korrespondiert die Größe des Luftraums mit dem eigenen Wasserterritorium. Doch auf See hat die Türkei das die Territorien regelnde Internationale UN-Seerechtsabkommen von 1994 (UNCLOS) niemals akzeptiert. Mit dem Vertrag ist Griechenland berechtigt, sein Hoheitsgebiet auszuweiten. Die vielen kleinen Inseln im Ägäischen Meer in Richtung türkischer Küste gehören zu Griechenland. Wegen der Nähe zur Türkei liegt deswegen eine eindeutige Grenzüberschreitung nur dann vor, wenn eine griechische Insel von den Türken unangekündigt überflogen wird.

Der griechische Luftraum ist wegen des nach UNCLOS erweiterten Hoheitsgebietes zehn anstatt sechs Meilen weit. Da die Türkei aber diese erweiterte Zone nie anerkannt hat, gibt es entsprechend abweichende Wahrnehmungen. Was Griechenland eine Grenzverletzung nennt, spielt sich für die Türkei im internationalen Luftraum ab.

Vor dem Spiel mit den Grenzüberschreitungen sei nur zu warnen, meint dazu Konstantinos Tsitselikis, Professor für Balkanstudien an der Universität Makedonien in Thessaloniki. Seiner Einschätzung nach bestehe "auch in Zeiten der Annäherung die Möglichkeit, dass es im Militär Kräfte gibt, die diese Dogfights eskalieren lassen". In der Luft, wo sich die Schaukämpfe in der Regel in den zusätzlichen vier Meilen abspielen, sei es daher nötig, zu differenzieren, was Provokation ist und wo die Grenzüberschreitung beginnt.