Die italienischen Parteien haben sich auf die Einführung eines Verhältniswahlrechts nach deutschem Vorbild geeinigt. Der frühere Regierungschef Matteo Renzi teilte mit, das Gesetz könnte bereits in der ersten Juliwoche verabschiedet werden. Auch die Fünf-Sterne-Bewegung und die populistische Forza Italia hätten sich dafür ausgesprochen. Damit wird eine Neuwahl des Parlaments im Herbst wahrscheinlicher; Staatspräsident Sergio Mattarella hatte die Auflösung des derzeitigen Parlaments von einem klaren Wahlfahrplan abhängig gemacht.

Im vergangenen Dezember haben die Italiener über die Verfassungsreform von Matteo Renzi abgestimmt – und sie abgelehnt. Der italienische Premier wollte die Macht des Senats schwächen, um so effizienter regieren zu können. Renzi, der seine politische Zukunft an das Referendum geknüpft hatte, reichte seinen Rücktritt ein. Sein Nachfolger wurde der bis dahin als Außenminister amtierende Paolo Gentiloni.

Formal gesehen müssten bis zum Mai 2018 Neuwahlen stattfinden. Die Fünf-Sterne-Bewegung hatte eine Vorverlegung auf den 10. September gefordert; Renzi will die Abstimmung parallel zur Wahl des Deutschen Bundestags am 24. September abhalten.

Nach Renzis Rückkehr an die Spitze der Demokratischen Partei (PD) wird er die Partei nun in die Parlamentswahlen führen und könnte dann erneut Regierungschef werden. Zwar ist seine Partei in der aktuellen Regierungskoalition die stärkste Kraft, doch in aktuellen Umfragen bekommt die linkspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo inzwischen mehr Stimmen.