Der russische Botschafter in den USA, Sergej Kisljak, hat einem Medienbericht zufolge an seine Vorgesetzten gemeldet, dass Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner den Aufbau eines geheimen Drahts nach Russland erwogen hat. Dieser habe ihm im Dezember vorgeschlagen, einen Kommunikationskanal zwischen dem Übergangsteam des gewählten Präsidenten Donald Trump und dem Kreml herzustellen, berichtete die Washington Post

Dem Bericht nach schlug Kushner Kisljak vor, für die geheime Kommunikation russische diplomatische Einrichtungen wie die Botschaft in Washington zu nutzen, anscheinend um die Überwachung zu erschweren. Der Botschafter soll darüber "verblüfft" gewesen sein, schrieb die Washington Post. Für den Artikel berief sich die Zeitung auf US-Vertreter, die Geheimdienstinformationen über abgefangene Kommunikation nach Russland einsehen konnten. 

FBI hält Kushner für zentrale Figur

Der US-Inlandsgeheimdienst FBI ermittelt bereits seit Ende 2016 zur Frage, inwiefern die russische Regierung Einfluss auf den US-Wahlkampf genommen hat und welche Verbindungen zum Trump-Lager bestehen oder bestanden. Seit Donald Trump den FBI-Direktor und Chefermittler James Comey Anfang Mai entlassen hat, setzt der Sonderermittler Robert Mueller die Untersuchung fort. Berichten zufolge hält das FBI Jared Kushner inzwischen für eine zentrale Figur in der Russland-Frage. Dies bedeute aber nicht, dass er eines Verbrechens verdächtigt werde, hieß es.

Im März hatte das Weiße Haus bestätigt, dass Kushner und der entlassene Nationale Sicherheitsberater Michael Flynn ein Treffen mit Kisljak im Trump Tower im Dezember hatten. Kushner hatte das Treffen zunächst verschwiegen. Kushners Anwältin Jamie Gorelick versicherte, dieser habe bereits zuvor angeboten, den US-Kongress über die Treffen zu informieren. Falls er deswegen kontaktiert werde, werde er sein Angebot wiederholen.

Gespräche in einem Drittstaat

Im Trump Tower wurde dem Post-Bericht zufolge auch ein Treffen zwischen einem Gesandten Trumps mit einem russischen Kontakt in einem Drittstaat vereinbart. Wer dieser Entsandte sein sollte, geht aus den vorliegenden Unterlagen nicht hervor. Die Washington Post hatte jedoch im April berichtet, dass sich Erik Prince, Gründer des privat geführten, einstigen militärischen Sicherheitsdienstes Blackwater und informeller Trump-Berater, auf den Seychellen mit einem Gesandten von Russlands Präsidenten Wladimir Putin getroffen hatte.

Die Zeitung berichtete unter Berufung auf Regierungsmitarbeiter, dass Trumps Wahlkampfteam aufgefordert wurde, alle Unterlagen seit dem Jahr 2015 an den Geheimdienstausschuss des Senats zu übergeben. Dies sei das erste Mal in der US-Geschichte, dass ein Senatsausschuss das gesamte Wahlkampflager ins Visier nehme; bisher seien allenfalls Einzelpersonen untersucht worden.

Vertreter der Obama-Regierung hatten der Nachrichtenagentur Associated Press bereits vor mehreren Tagen gesagt, sie seien durch die vielen Gespräche Flynns mit Kisljak alarmiert worden. Demnach hätten sie gemutmaßt, ob Trump eine Eins-zu-Eins-Kommunikation mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin erstellen wollte. Flynn hatte im Februar seinen Posten als Sicherheitsberater geräumt, weil er Vizepräsident Mike Pence über Gespräche mit Kisljak in die Irre geführt hatte. Wegen seiner Geschäftsverbindungen ins Ausland wird gegen Flynn ermittelt.