Der Republikaner John McCain schätzt den russischen Staatschef Wladimir Putin als eine größere Sicherheitsbedrohung ein als die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). "Ich denke, er ist die erste und wichtigste Bedrohung, mehr noch als der IS", sagte McCain dem australischen Fernsehsender ABC. Die Miliz tue zwar "schreckliche Dinge", Russland habe aber versucht, das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl zu beeinflussen und damit die "Grundlagen der Demokratie zu zerstören".

McCain kritisierte auch Russlands Vorgehen im Ukraine-Konflikt und sprach die Sorgen der baltischen Staaten vor militärischen Interventionen an. Daher sei Putin für ihn "die größte Herausforderung, die wir derzeit haben", sagte der Senator. Er räumte allerdings ein, dass es für die Wahlmanipulationen bisher keine Beweise gebe. McCain gilt als parteiinterner Kritiker von Präsident Donald Trump und ist der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im US-Senat.

Im Interview äußerte sich der Republikaner auch zur Russland-Affäre. Die Geheimdienstausschüsse im US-Kongress gehen derzeit dem Verdacht illegaler Absprachen zwischen Trump-Mitarbeitern und der russischen Regierung nach. Kürzlich war in der Affäre auch Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner unter Druck geraten. US-Medienberichten zufolge soll sich Kushner in der Phase zwischen Trumps Wahl und seinem Amtsantritt um die Einrichtung eines geheimen Gesprächskanals mit dem Kreml bemüht haben.

McCain sagte zu den Vorwürfen: "Mir gefällt das nicht." Zwar hätten einige Regierungsvertreter einen solchen Kommunikationskanal als "Standardverfahren" gerechtfertigt. Er halte es aber nicht für normal, wenn ein solcher Vorstoß vor der Amtsübernahme eines Präsidenten von jemandem komme, der kein offizielles Amt bekleide. Andere Republikaner wie der Minister für Innere Sicherheit, John Kelly, hatten Rücksprachen mit Russland sogar als wünschenswert verteidigt. Dem Sender Fox News sagte Kelly: "Ich glaube, dass jeder Kommunikationsweg, geheim oder anders, mit einem Land wie Russland eine gute Sache ist." Den Vorwurf der geheimen Absprachen bestätigte Kelly allerdings nicht.


Jared Kushner sagt vom heutigen Dienstag an vor den Geheimdienstausschüssen von Repräsentantenhaus und Senat aus. Die Anwältin des 36-Jährigen kündigte an, dass Kushner dem US-Kongress über sein Wissen Auskunft geben werde. In einem Statement hatte der US-Präsident Kushner sein vollstes Vertrauen ausgesprochen. "Jared macht einen großartigen Job für das Land", hieß es. "Er wird von jedem respektiert und arbeitet an Programmen, die unserem Land Milliarden Euro sparen. Außerdem, und das ist vielleicht wichtiger, ist er ein sehr guter Mensch."