Die mit Al-Kaida verbündete Islamistengruppe Ansar al-Scharia hat in einer ungewöhnlichen Mitteilung ihre sofortige Auflösung angekündigt. Die rund um die Hafenstadt Bengasi operierende Gruppe habe in jahrelangen Machtkämpfen schwere Verluste erlitten und sei "geschwächt", hieß es in der im Internet verbreiteten Erklärung. Zudem seien zahlreiche Kämpfer von Ansar al-Scharia zur Miliz "Islamischer Staat" übergelaufen.

Ansar al-Scharia bedeutet auf Arabisch "Anhänger des islamischen Gesetzes"; die Gruppe wird von den Vereinten Nationen und den USA als Terrororganisation eingestuft. Der Gruppe werden zahlreiche Anschläge zur Last gelegt, darunter auch der Angriff auf die US-Botschaft in Bengasi 2012, bei dem der Botschafter Christopher Stevens und drei weitere US-Bürger ermordet wurden.

Im Machtvakuum nach Gaddafi entstanden

Ansar al-Scharia war wie andere bewaffnete Gruppen nach dem Sturz und dem Tod des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 entstanden. Die Gruppe war in der zweitgrößten libyschen Stadt Bengasi, in Derna sowie in Gaddafis Heimatstadt Sirte aktiv. Bengasi wird aber inzwischen zu großen Teilen von den Truppen des Rebellenkommandeurs Chalifa Haftar kontrolliert, der gegen Regierungstruppen und andere Aufständische kämpft.

In den Schlachten mit Haftar sei unter anderem die gesamte Führung der Ansar al-Scharia getötet worden, schrieben die Extremisten. Sie riefen andere "revolutionäre Gruppen" und Schura-Räte zur Bildung einer Einheitsfront auf.

Gaddafis Tod ließ ein Machtvakuum in dem nordafrikanischen Staat zurück; seither herrscht Chaos in Libyen. Rivalisierende Milizen breiteten sich aus, darunter auch der IS, und kämpfen bis heute um die Macht in dem ölreichen Land. Seit einem Anschlag auf koptische Christen bei Kairo fliegt Ägypten zudem Angriffe auf Islamistengruppen in Libyen.