Der indische Premierminister Narendra Modi und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) haben sich bei den deutsch-indischen Regierungskonsultationen auf Investitionen in Milliardenhöhe geeinigt. Modi und Merkel vereinbarten einen Entwicklungsetat, der "in jedem Jahr eine Milliarde Euro" für Indien vorsieht.

Die Investitionen betreffen unter anderem nachhaltige Stadtentwicklung, erneuerbare Energien, digitale Technologien, Infrastrukturprojekte und Bildungschancen auf dem indischen Arbeitsmarkt. An den Gesprächen waren nicht nur Modi und Merkel, sondern auch Außenminister Sigmar Gabriel (SPD), Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU), Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) beteiligt.

Modi fordert Innovationen und Cybersicherheit

Modi betonte, Indien wolle sich "gemäß globaler Standards" weiterentwickeln. Im Mittelpunkt stehe die Zukunft von 800 Millionen Jugendlichen auf dem Subkontinent. "Wir brauchen Berufsbildung für diese Jugendlichen", sagte Modi. Die ganze Welt sei abhängig von Innovation und ohne Innovation gebe es keinen Fortschritt. Außerdem sagte Modi, dass Indien an die Einheit Europas glaube und ein starkes Europa wolle.

Modi sagte außerdem, dass Deutschland und Indien auf der Weltbühne die gleichen Ziele anstrebten. Beide Länder träten ein für Demokratie und Freiheit "als Pfeiler, auf die eine regelbasierte Welt sich stützt". Indien glaube dabei "an die Einheit Europas", sagte er. "Wir wollen, dass Europa stark bleibt." Dies sei die Vision der Kanzlerin, "und wir teilen diese Vision".

Als besondere Herausforderung nannte Modi unter anderem die Cybersicherheit. "Man muss da in Echtzeit reagieren können", sagte der indische Premierminister. Von Deutschland erhoffe sich Indien zudem Unterstützung bei der Entwicklung der zivilen Luftfahrt. Die deutsch-indischen Regierungskonsultationen sollten auch den G20-Gipfel in Hamburg im Juli vorbereiten.

Merkel würdigt transatlantische Beziehungen

Angela Merkel ging nach ihrer viel diskutierten Bierzeltrede erneut auf die transatlantische Beziehungen ein. "Die transatlantische Beziehung ist von überragender Bedeutung", sagte sie. Deutschland arbeite aber schon seit vielen Jahren auch mit vielen anderen Ländern wie Indien und China zusammen. "Das ist von überragender Bedeutung und in keiner Weise gegen irgendwelche anderen Beziehungen gerichtet und schon gar nicht gegen transatlantische Beziehungen, die historisch für uns von großer Wichtigkeit sind und auch bleiben werden", sagte Merkel.

Dies ändere nichts daran, dass die Europäer ihr Schicksal "auch allein in die Hand nehmen müssen". "Europa muss ein Akteur sein, der sich auch einmischt international", sagte sie etwa mit Blick auf die Lösung des Konflikts in Libyen.

Merkel sagte, dass Deutschland Indien bei der Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens unterstützen wolle. "Indien setzt das Abkommen intensiv um", sagte Merkel. Das Land mit mehr als einer Milliarde Einwohner befinde sich aber in einer anderen Entwicklungsphase als Deutschland. "Indien ist eine Demokratie und Indien setzt darauf, dass die Welt nicht nur vernetzt ist, sondern vernünftig gestaltet wird", sagte Merkel.

Indien als wichtiger Markt für Deutschland

Die deutsch-indischen Regierungskonsultationen finden seit 2011 im Zwei-Jahres-Rhythmus statt. Indien ist für die deutsche Wirtschaft ein wichtiger Wachstumsmarkt: Der Handelsaustausch ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, Indien ist eines der am schnellsten wachsenden Schwellenländer. Im Haushaltsjahr 2016/2017 verzeichnete Indiens Wirtschaft ein kräftiges Wachstum von 7,1 Prozent. Ökonomen erwarten, dass das Land Mitte des Jahrhunderts die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt nach China und den USA sein wird.