Auf dem Nato-Gipfel in Brüssel will sich die britische Premierministerin Theresa May bei US-Präsident Donald Trump darüber beschweren, dass Geheimdienstinformationen über den Anschlag von Manchester in US-Medien öffentlich gemacht wurden. Einem Bericht des Guardian zufolge sei May "wütend" darüber, dass in der New York Times Ermittlerfotos gezeigt wurden. Darauf zu sehen sind ein Zünder, ein zerfetzter blauer Rucksack sowie Nägel und Schrauben, die demnach von der Bombe stammen, die der Selbstmordattentäter am Montagabend in Manchester verwendet hatte.

Die britische Regierung ist nach Angaben des Guardian nicht der Ansicht, dass der US-Präsident direkt verantwortlich ist für die Informationsweitergabe an Journalisten. May wolle ihm trotzdem ihre Beunruhigung in dieser Sache verdeutlichen. Beim Nato-Gipfel will sich die britische Premierministerin auch dafür einsetzen, dass die Militärallianz von USA und Großbritannien dem Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" beitritt.

Auch die britische Antiterrorpolizei kritisierte die Veröffentlichung vertraulicher Ermittlungserkenntnisse. Ein Sprecher der Behörde sagte, der Austausch "sensibler Informationen" mit Partnerländern beruhe auf Vertrauen. Wenn es missbraucht werde, "untergräbt das unsere Beziehungen, und es untergräbt unsere Ermittlungen", sagte er. "Der Schaden ist umso größer, wenn es dabei um die nicht autorisierte Verbreitung potenzieller Beweismittel mitten in einer bedeutenden Antiterrorermittlung geht." Laut BBC hat die Polizei von Manchester die Weitergabe von Ermittlungsergebnissen an US-Behörden inzwischen eingestellt.

Großbritannien und die USA kooperieren seit Langem in Sachen Sicherheit. Der Austausch streng geheimer Erkenntnisse ist zwischen befreundeten westlichen Staaten wie Großbritannien und den USA üblich. Die Gepflogenheiten der Zusammenarbeit sehen allerdings vor, über diese Erkenntnisse absolutes Stillschweigen zu bewahren und diese nicht weiterzugeben, ohne dass der Partnerdienst dem zugestimmt hat.

Am Montagabend hatte sich ein Selbstmordattentäter in Manchester bei einem Popkonzert der US-Sängerin Ariana Grande in die Luft gesprengt und dabei 22 Menschen getötet sowie 59 weitere verletzt. Unter den Getöteten waren auch einige Kinder. Die Polizei geht davon aus, dass der 22-jährige Salman Abedi der Täter war. Laut seinem Bruder soll er Mitglied des "Islamischen Staats" gewesen sein.