Beim ersten Treffen der EU-Spitze mit US-Präsident Donald Trump sind vor allem die unterschiedlichen Ansichten zu Russland, dem Klimawandel und in der Handelspolitik deutlich geworden. Zwar sagte der EU-Ratspräsident Donald Tusk nach dem Gespräch mit Trump in Brüssel, dass sich die EU und die USA auf vielen Gebieten einig seien. Jedoch sei er sich "nicht hundertprozentig sicher, dass wir – das heißt der Präsident und ich – heute sagen können, dass wir eine gemeinsame Position, eine gemeinsame Meinung zu Russland haben", sagte Tusk. Was den Konflikt in der Ukraine angehe, würden beide Seiten hingegen "auf der gleichen Linie liegen", sagte der EU-Ratspräsident. 

Tusk sagte weiter, die tiefe Bedeutung der Kooperation und Freundschaft zwischen der EU und den USA sei geprägt durch westliche Werte wie Freiheit, Menschenrechte und den Respekt der Menschenwürde. Dies sei seine Hauptbotschaft an Trump gewesen. Diese Werte müssten vor Interessen in der Politik stehen, sagte Tusk weiter. Ein Sprecher des Parlaments sagte außerdem, die EU und die USA müssten enge Partner bleiben, um ihre Bürger vor Terrorismus zu schützen und Wachstum und Jobs für künftige Generationen zu fördern.

Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und US-Außenminister Rex Tillerson nahmen an dem rund einstündigen Gespräch in Brüssel teil. Im Laufe des Treffens waren auch EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani zu der Runde gestoßen. Danach traf sich Trump mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Am Nachmittag wird der US-Präsident beim Nato-Gipfel in Brüssel erwartet.

Seit Trumps Amtsantritt kritisiert die EU dessen protektionistische Tendenzen in der Handelspolitik und seine unklare Haltung zum Pariser Klimaabkommen. Einer Sprecherin der EU-Kommission zufolge haben beide Seiten aber vereinbart, die Arbeit an einem gemeinsamen Aktionsplan zum Handel aufzunehmen.

Für Trump ist Russland ein heikles Thema. In den USA untersucht mittlerweile ein Sonderermittler mögliche Verstrickungen seines Wahlkampfteams mit Russland. Der frühere CIA-Chef John Brennan hatte vor dem Geheimdienstausschuss des US-Abgeordnetenhauses gesagt, er habe Informationen über den Kontakt von Mitgliedern des Trump-Wahlkampfteams zu russischen Regierungsstellen. Trump soll außerdem den mittlerweile entlassenen FBI-Chef James Comey aufgefordert haben, die Untersuchung der Kontakte des früheren Nationalen Sicherheitsberaters Michael Flynn zu Russland einzustellen.