Donald Trump hat bei seinem ersten Nato-Gipfel die Partner des Verteidigungsbündnisses aufgefordert, mehr Geld zu zahlen. "Die Nato-Mitglieder müssen endlich ihren gerechten Anteil beitragen und ihre finanziellen Verpflichtungen erfüllen", sagte Trump.

Die mangelnde Beteiligung vieler Staaten sei "nicht fair" gegenüber den amerikanischen Steuerzahlern, ergänzte er. "23 der 28 Mitgliedsstaaten zahlen immer noch nicht das, was sie für ihre Verteidigung zahlen sollten".

Trump hatte die Nato im Wahlkampf immer wieder kritisiert und sogar die Zukunftsfähigkeit des Bündnisses infrage gestellt. Mittlerweile ist er von seiner Äußerung abgerückt, die Nato sei obsolet. Er fordert aber, dass die anderen Mitglieder ihre Verteidigungsausgaben deutlich erhöhen. "Viele dieser Länder sind aus den vergangen Jahren massive Geldsummen schuldig."

Die USA dringen schon seit Längerem darauf, dass andere Nato-Staaten ihre Verteidigungsausgaben erhöhen. Trump hat diesen Forderungen aber eine von vorigen US-Regierungen nicht gekannte Schärfe verliehen. 

Merkel hält deutschen Beitrag für ausreichend

Merkel widersprach dem und machte deutlich, dass aus ihrer Sicht die geplanten deutschen Verteidigungsausgaben bereits ausreichend seien. Zudem erinnerte sie daran, dass die Beschlüsse zur Steigerung der Verteidigungsausgaben in der Nato bestätigt werden müssten. "Bestätigen heißt: nicht mehr und nicht weniger", sagte Merkel.

Die Staats- und Regierungschefs der Nato-Staaten hatten 2014 in Wales gemeinsam festgelegt, dass jedes Mitglied seine Verteidigungsausgaben innerhalb eines Jahrzehnts auf mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigern soll. Die Nato-Partner hatten unmittelbar vor dem Gipfeltreffen ein Konzept zur Verbesserung der Lastenteilung innerhalb des Bündnisses beschlossen.

"Deutschland kann sich sehen lassen"

Merkel sagte, sie habe sich gefreut, dass Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg die Erhöhung der deutschen Verteidigungsausgaben für gut befunden habe. "Wir freuen uns auch, dass in Zukunft nicht nur gefragt wird, wie viel wird für Verteidigung ausgegeben, sondern auch: Was stellt man als Land der Nato zur Verfügung? Welche Fähigkeiten haben wir, und welche Beiträge leisten wir? Ich glaube, hier kann sich Deutschland sehen lassen, und das werde ich auch hier deutlich machen".

Deutschland liegt trotz deutlich steigender Aufwendungen derzeit nur bei etwa 1,23 Prozent (2015: 1,18 Prozent) des Bruttoinlandsproduktes. Das Auswärtige Amt verweist darauf, dass Deutschland dieses Jahr voraussichtlich 39,5 Milliarden Euro für Verteidigung ausgeben werde. Dies entspreche einer Steigerung um 13,8 Prozent zu 2014.

"Wir müssen hart sein"

Trump eröffnete im neuen Nato-Hauptquartier in Brüssel gemeinsam mit Merkel einen Gedenkort für die Terroranschläge des 11. September 2001, der auch ein Stück der Berliner Mauer enthält. Bei seiner Ansprache rief er auch zum gemeinsamen Kampf gegen den Terror auf. "Wir müssen hart sein, wir müssen stark sein, wir müssen wachsam sein", sagte er. Terror bedrohe die ganze Menschheit. "Die Nato der Zukunft muss sich sehr stark auf Terrorismus und auf Zuwanderung konzentrieren sowie auf die Bedrohung durch Russland an den Ost- und Südgrenzen der Nato."

Merkel hob in ihrem Grußwort zur Eröffnung des Gedenkorts die Bedeutung offener Gesellschaften hervor. Die Allianz sei sich einig in dem Vertrauen darauf, "dass nicht Abschottung und nicht Mauern erfolgreich sind, sondern offene Gesellschaften, die auf gemeinsamen Werten aufgebaut sind". Zu Trumps wichtigsten Wahlversprechen gehörte eine Mauer an der US-Grenze zu Mexiko.