Zwei Wochen vor den britischen Parlamentswahlen ist der Vorsprung der Konservativen vor der Arbeiterpartei Labour auf einen Rekordwert geschrumpft. Die jüngste Erhebung des Meinungsforschungsinstitutes YouGov zeigt einen Unterschied von nur noch fünf Prozentpunkten.     

Vor zwei Wochen ermittelte das Institut noch einen Unterschied von 18 Prozentpunkten, Mitte April, als Premierministerin Theresa May die Neuwahlen angekündigt hatte, betrug der Vorsprung ihrer Partei sogar noch 23 Prozent.

Die Konservativen stehen in der Umfrage derzeit bei 43 Prozent und die Labour-Partei bei 38 Prozent. Darauf folgen Liberale (10 Prozent) und Ukip (4 Prozent). Laut Berechnungen der Zeitung Times würde bei einem solchen Wahlergebnis die Mehrheit von May auf zwei Parlamentsstimmen schrumpfen. Damit würde ihr Vorhaben scheitern, sich für die anstehenden Austrittsverhandlungen mit der EU eine breite parlamentarische Mehrheit zu sichern. Andere Umfrageinstitute wie TNS, ICM und Survation zeigen ein ähnliches Bild, wenn auch mit leicht höheren Differenzen zwischen Konservativen und Labour.

"Demenzsteuer" macht Konservativen zu schaffen

Beobachter führen das Aufholen der Labourpartei unter anderem auf einen aktuellen Streit in der Sozialpolitik zurück. So wollten die Konservativen alte Menschen stärker an den Kosten für ihre Pflege beteiligen. Das Vorhaben war von seinen Gegnern als "Demenzsteuer" bezeichnet worden.

Am Montag zog Premierministerin May diesen Vorschlag zurück. Fachleute rechnen in Großbritannien in den kommenden Jahren mit einem starken Anstieg der Pflegekosten. Das britische Gesundheitssystem NHS erwartet, dass 25 Prozent mehr Menschen über 65 Jahren in den nächsten acht Jahren Pflege und Sozialhilfe brauchen werden.

Mays Beliebtheit ist gestiegen

Die Werte für die jeweiligen Parteien spiegeln allerdings nicht die Beliebtheit ihrer Spitzenvertreter wieder. Mays persönliche Popularität ist trotz sinkender Zustimmung für die Konservativen gestiegen. Die Regierungschefin kommt von minus acht am Montag auf plus eins am Freitag. Ein möglicher Grund könnte ihr Auftritt nach dem Anschlag von Manchester sein.

Gegenteilig verhält es sich bei der Labour-Partei. Ihr Vorsitzender Jeremy Corbyn konnte nicht von den Schwierigkeiten der Tories profitieren. Sein Beliebtheitswert fiel von minus elf auf minus 16.

Wahlumfragen aus Großbritannien haben in der Vergangenheit jedoch immer wieder weit neben den tatsächlichen Wahlergebnissen gelegen. Bei den letzten Unterhauswahlen 2015 hatten die Umfragen ähnlich wie jetzt starke Werte für Labour gezeigt. In den Wochen vor der Wahl waren Labour und die Konservativen sogar gleichauf. Letztlich hatten aber die Konservativen mit über sechs Prozentpunkten Vorsprung die Mehrheit im Parlament gewonnen.