Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei haben Hunderte türkische Diplomaten und Soldaten auch in Deutschland Asyl beantragt. Nun haben die ersten Soldaten und ihre Familien einen positiven Bescheid erhalten, meldet der Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung. Demnach bestätigte das Bundesinnenministerium, dass die ersten Antragsteller mit Diplomatenpässen Asyl erhalten.

Aus Kreisen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hieß es, die Behörde habe das umstrittene Verfassungsreferendum in der Türkei Anfang April abwarten wollen – erst danach sei über die Asylgesuche entschieden worden. Offiziell hat das Bamf diesen Zusammenhang jedoch dementiert. 

Die türkische Regierung hat Deutschland immer wieder davor gewarnt, die Asylgesuche zu genehmigen. "Für ein Land wie Deutschland, das sehr enge kulturelle, soziale und politische Beziehungen zur Türkei hat, wäre es zutiefst inakzeptabel, Schutz zu gewähren", hatte etwa der türkische Verteidigungsminister Fikri Işık im Januar gesagt. Die deutschen Behörden hatten jedoch angegeben, sie würden die Asylgesuche bearbeiten wie alle anderen auch. 

Auch Nato-Soldaten unter den Antragstellern

Bei den nun anerkannten Fällen handelt es sich den Berichten zufolge auch um Nato-Soldaten, die vor ihrer Entlassung aus der türkischen Armee in Deutschland stationiert waren. Sie besitzen in der Regel einen Diplomatenpass.

Die türkische Regierung macht den islamischen Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch im Sommer 2016 verantwortlich, was dieser bestreitet. Seit dem gescheiterten Umsturzversuch geht der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hart gegen politische Gegner vor. Zehntausende Lehrer, Beamte und Militärangehörige wurden entlassen, viele davon inhaftiert.

Laut Bundesinnenministerium haben seit dem Putschversuch vom vergangenen Juli bis Anfang Mai 414 türkische Soldaten, Diplomaten, Richter und hohe Staatsbeamte in der Bundesrepublik einen Asylantrag gestellt. Diese Zahl umfasst auch Familienangehörige. Insgesamt lägen dem Bamf etwa 7.700 Asylanträge türkischer Staatsbürger vor, hatte der Spiegel kürzlich berichtet.