Papst Franziskus hat US-Präsident Donald Trump bei einer Privataudienz zum Einsatz für Frieden und Klimaschutz aufgefordert. Franziskus überreichte ihm das Bildnis eines Olivenzweigs als Friedenssymbol sowie seine Umweltenzyklika, in der eindringlich vor dem Klimawandel gewarnt wird.

Trump, der den Klimawandel öffentlich bezweifelt hat, bedankte sich. "Wir werden sie lesen", sagte der US-Präsident. Er werde die Worte des Papstes nicht vergessen, versicherte er nach dem halbstündigen Gespräch, bei dem nur ein Dolmetscher anwesend war. "Frieden können wir gebrauchen", sagte Trump.

Der Vatikan teilte nach dem Treffen mit, man hoffe darauf, dass die Regierung und die katholische Kirche in den USA bei der Gesundheitsversorgung, Bildung und in der Betreuung von Migranten zusammenarbeiteten. Die Gespräche zwischen Papst Franziskus und Trump seien "herzlich" gewesen. Es seien auch Standpunkte über verschiedene internationale Angelegenheiten ausgetauscht worden, insbesondere mit Blick auf die Situation im Nahen Osten und den Schutz der christlichen Minderheiten. 

Trump bezeichnete die Begegnung hinterher als "Ehre fürs Leben". Er verlasse den Vatikan "mehr denn je entschlossen, nach Frieden in unserer Welt zu streben".

Der Besuch beim Papst war Trumps erste Station in Europa als US-Präsident. Franziskus hatte zuvor angekündigt, bei der persönlichen Begegnung an Gemeinsamkeiten anknüpfen zu wollen. Es gebe immer "Türen, die nicht ganz zu sind", hatte der Papst Mitte Mai gesagt.

Nicht nur beim Klimawandel, sondern auch bei Themen wie Einwanderung sind der zum dritten Mal verheiratete Immobilienmilliardär und der "Papst der Armen" unterschiedlicher Meinung. Papst Franziskus hatte im vergangenen Jahr mit Blick auf Trumps Pläne zum Mauerbau an der mexikanischen Grenze gesagt, wer über Mauern statt über Brücken nachdenke, sei "nicht christlich". Trump hatte gekontert, es sei "schändlich", seinen Glauben in Zweifel zu ziehen.

Beim Thema Klimawandel ist nach wie vor offen, ob die USA aus dem Klimavertrag von Paris wieder austreten werden. Im Wahlkampf hatte Trump den Klimawandel als Erfindung der Chinesen bezeichnet.

Joe Raedle/Getty Images
Klimawandel! Was heißt das?

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Die Erderwärmung bedroht die Welt, aber wie genau? Wir erklären Wetter, Klima und warum der Wandel so gefährlich ist.

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Ban Ki Moon, UN-Generalsekretär

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sagt, warum das ein Problem ist:

"Der Klimawandel ist eine Bedrohung für das Leben und unsere Existenz."

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Das Wetter

… ist der Zustand der Atmosphäre zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort.

Was ist Wetter, was Klima?

Das Klima

... ist das durchschnittliche Wetter über einen längeren Zeitraum hinweg betrachtet, etwa 30 Jahre.

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Leider nein: Viele Schäden sind nicht mehr zu ändern. Die Erde erwärmt sich in jedem Fall. Auch die 2°C Erwärmung beeinträchtigen Ökosysteme auf der ganzen Welt stark und bedrohen damit auch die Lebensgrundlage von Millionen Menschen. Es lässt sich allein das Ausmaß der Katastrophe eingrenzen.

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Stimmt. Viele Forscher sind sicher, dass es einen Zusammenhang gibt. Europa soll aber nicht so stark betroffen sein wie andere Kontinente der Erde.

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Trump gilt als wenig religiös

Trump gilt als nicht besonders religiös. Er ist Presbyterianer, das ist der größte Zweig der reformierten Kirchen. Er bezeichnet sich als Protestant. Mit dem christlichen Gedanken der Vergebung kann er nach eigenem Bekunden nichts anfangen.

Trump wird auf seiner Reise unter anderen von Außenminister Rex Tillerson, seiner Frau und seiner Tochter Ivanka und deren Mann Jared Kushner begleitet. Die beiden Frauen hatten bei dem Treffen ihr Haar bedeckt, in Saudi-Arabien hatten sie darauf verzichtet. Beide begrüßten den Papst mit einem langen Händedruck. Gary Cohn, Wirtschaftsberater des Präsidenten und jüdischen Glaubens, war der Einzige, der die traditionelle Geste des Ringkusses ausführte.

Nach Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Paolo Gentiloni und Staatschef Sergio Mattarella reiste Trump weiter nach Brüssel. Am Donnerstag nimmt Trump an einem Spitzentreffen der Nato teil, bevor er am Abend wieder nach Italien zurückkehrt, um an dem Gipfel der G7-Gruppe in Sizilien teilzunehmen.

Verkehr in Brüssel lahmgelegt, Proteste erwartet

Trumps Besuch in Brüssel bringt den Verkehr am Mittwoch und Donnerstag teilweise zum Erliegen. Damit der Präsident sicher durch die Stadt kommt, riegelt die Polizei in der Innenstadt rund um die US-Botschaft und im Europa-Viertel zahlreiche Straßen ab. Mehrere U-Bahn-Stationen bleiben an den beiden Tagen geschlossen.  

Am Nordbahnhof erwartete die Polizei Abend zudem etwa zehntausend Demonstranten, die unter dem Motto "Trump not welcome" gegen die Politik des neuen US-Präsidenten protestieren wollten. Insgesamt sind an beiden Tagen rund 4.000 Polizisten im Einsatz. An vielen Straßenecken in der Innenstadt stehen Wasserwerfer und Absperrgitter bereit.  

Nicht genehmigt haben die Behörden eine Kundgebung von Unterstützern des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, der wie Trump zum Nato-Treffen nach Brüssel reist. Der Bereich um Erdoğans Hotel an einem belebten Platz im Zentrum wird ebenfalls abgesperrt. Der Bürgermeister des Stadtteils Schaerbeek im Brüsseler Norden riet den Einwohnern, am Donnerstag "ruhig zu Hause bleiben".