Trotz des Widerstands der Türkei haben die USA ihre Waffenlieferungen an Kurdenmilizen wieder aufgenommen, die im Norden Syriens gegen die IS-Miliz kämpfen. Die Kämpfer seien mit Handfeuerwaffen und Munition versorgt worden, sagte Pentagon-Sprecher Eric Pahon. Nach Angaben von US-Behörden sollen in Kürze auch Maschinengewehre, Mörser und gepanzerte Fahrzeuge geliefert werden.

US-Präsident Donald Trump hatte Anfang Mai Waffenlieferungen an die kurdische YPG-Miliz genehmigt – und damit scharfe Kritik aus der Türkei ausgelöst. Die US-Regierung schätzt die Kurden als schlagkräftige Partner im Kampf gegen die IS-Miliz; für die Türkei stellen sie den verlängerten Arm der in der Türkei verbotenen Kurdenpartei PKK dar. Sie fürchtet, dass die Waffen der USA in den Händen der PKK landen könnten.

Kurdenmilizen rücken auf IS-Stadt Rakka vor

Eine von den Kurden angeführte Kampfeinheit rückte nach übereinstimmenden Angaben drei Kilometer näher an die IS-Hochburg Rakka in Nordsyrien heran. Ein Sprecher der sogenannten Syrischen Elitekräfte, Mohammed Chaled Schaker sagte, seine Einheit befinde sich nur 400 Meter vom Vorort Al-Mischleb entfernt. Laut Rami Abdel Rahman von der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte waren dem Vormarsch Luftangriffe der US-geführten Anti-IS-Koalition vorausgegangen. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netzwerk von Aktivisten vor Ort. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden.

Die von der US-geführten Koalition unterstützten Rebellen hatten im November ihre Offensive zur Rückeroberung von Rakka begonnen. Der Kampf um die syrische Stadt, die als letzte IS-Hochburg gilt, könnte sich jedoch als langwierig erweisen. Es wird erwartet, dass die Terrormiliz Sprengsätze an den Zufahrtstraßen und in der Stadt selbst anbringt.

Putin: "Kein Beweis" für Chemiewaffenvorwürfe

Unterdessen bestritt Russlands Präsident Wladimir Putin jeglichen Chemiewaffeneinsatz seines Verbündeten, des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. "Nach unseren Informationen gibt es keinen Beweis für den Einsatz chemischer Waffen durch Assad", sagte Putin der französischen Zeitung Le Figaro. "Wir sind überzeugt, dass er es nicht getan hat."

Bei einem mutmaßlichen Angriff mit Giftgas waren Anfang April in der syrischen Stadt Chan Scheichun mehr als 80 Menschen gestorben. Die USA und andere westliche Regierungen machen die syrische Luftwaffe verantwortlich; Frankreich hatte Ende April einen entsprechenden Geheimdienstbericht vorgelegt. Syrien wies jegliche Schuld von sich.

Syrien - Macron droht mit Vergeltung bei weiterem Giftgaseinsatz Russlands Präsident Wladimir Putin hat seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron besucht. Der Syrien-Konflikt stand im Mittelpunkt der Gespräche. © Foto: Christophe Archambault/AFP/Getty Images

Frankreichs neuer Staatschef Emmanuel Macron hatte bei seinem ersten Treffen mit Putin Vergeltung angedroht, sollten Chemiewaffen eingesetzt werden. Dies sei eine "rote Linie". Putin sagte, er sei einverstanden: Es brauche eine gemeinsame Politik der internationalen Gemeinschaft "gegen jede Macht, die Chemiewaffen genutzt hat".