Die Türkei strebt eine engere Zusammenarbeit mit den Golfstaaten an. Das sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan der amtlichen kuwaitischen Nachrichtenagentur Kuna vor seinem Besuch in Kuwait am Dienstag. Demnach wird es bei Gesprächen mit sechs Mitgliedern des sogenannten Golf-Kooperationsrats neben einer verstärkten militärischen Zusammenarbeit auch um die Einrichtung einer gemeinsamen Freihandelszone gehen. Die Türkei und die Golfstaaten seien "Inseln der Stabilität", zitierte TRT Erdoğan

Dem 1981 offiziell als Kooperationsrat der Arabischen Staaten des Golfes gegründeten Staatenbündnis gehören neben Saudi-Arabien, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten auch Kuwait, Oman und Katar an. Die Mitglieder koordinieren Teile ihrer Außen- und Sicherheitspolitik und fördern ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen.

Der Warenverkehr zwischen den Mitgliedern wurde liberalisiert. Seit 2003 besteht eine Zollunion. Selbst eine gemeinsame Währung einzuführen, wurde immer wieder diskutiert. Ähnlich wie bei der Nato haben sich die Mitglieder des Rates zu gegenseitigem Beistand im Verteidigungsfall verpflichtet. Die Golfstaaten unterhalten eine gemeinsame Verteidigungstruppe von derzeit etwa 5.000 Mann.

Dass Erdoğan sich wirtschaftlich und militärisch stärker den Golfstaaten zuwendet, kann mit Blick auf die  derzeitigen Spannungen mit der Europäischen Union als weiteres Zeichen der Abkehr gewertet werden. Auch das Verhältnis zu Russland war zuletzt belastet.

Hoffnung auf mehr Investitionen

Wegen der unsicheren politischen Lage in der Türkei sanken 2016 zudem die ausländischen Investitionen um 42 Prozent. Auch deshalb hatte Erdoğan bereits im Februar Saudi-Arabien, Katar und Bahrain besucht. Laut der Nachrichtenagentur Kuna hofft der türkische Präsident auf steigende Investitionen insbesondere durch Kuwait. Die Türkei sei zudem bereit, sich zu Fragen der Rüstungsindustrie auszutauschen.

Weitere Impulse für die Wirtschaft erhofft sich die Türkei von einer Zollunion mit der EU. Der Prozess verläuft allerdings langsam und wird innerhalb der Staatengemeinschaft immer wieder kritisiert. "Verhandlungen über die Modernisierung der Zollunion dürfen erst geführt werden, wenn Erdoğan unter Beweis gestellt hat, dass er bereit ist, Zugeständnisse zu machen und zur Demokratie zurückzukehren", teilte die Grüne Europaabgeordnete Ska Keller mit.

Zypries kündigt engere Zusammenarbeit an

Die Bundesregierung will die wirtschaftlichen Beziehungen trotz solcher Bedenken stärken. So bekräftigten die deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries und ihr türkischer Kollege Nihat Zeybekçi am Montag in Berlin den Wunsch, an die früher guten ökonomischen Verbindungen anknüpfen zu wollen. Dazu sollten sowohl eine gemeinsame Wirtschafts- und Handelskommission, als auch das deutsch-türkische Energieforum, das zuletzt 2012 stattfand, wiederbelebt werden. Bezüglich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit sagt Zypries aber auch: "Sowohl für die Bundesregierung als auch die deutsche Wirtschaft ist Rechtsstaatlichkeit hierfür ein zentraler Aspekt. Unternehmen brauchen für Investitionsentscheidungen verlässliche Rahmenbedingungen."

Laut dem deutschen Wirtschaftsministerium ist Deutschland mit einem Handelsvolumen von mehr als 37 Milliarden Euro und Investitionen von mehr als 12 Milliarden Euro "der wichtigste Wirtschaftspartner der Türkei". Etwa ein Viertel des Warenaustauschs zwischen der Türkei und der Europäischen Union verläuft demnach mit Deutschland.