Als Donald Trump vor zwei Wochen FBI-Direktor James Comey feuerte, reagierten fast alle US-Medien sofort höchst alarmiert. Schnell waren Vergleiche mit dem Watergate-Skandal zur Hand, der Präsident Richard Nixon vor 40 Jahren zum Rücktritt gezwungen hatte. Die Überschrift der Meldung in der New York Times zog sich über die gesamte Seite. Sie war in einer Größe verfasst, die sonst Präsidentschaftswahlen oder Terroranschlägen vorbehalten ist. Schließlich hatte Trump gerade ausgerechnet jenen Mann entlassen, der die Ermittlungen zu möglichen Verbindungen zwischen seinem Wahlkampfteam und Vertretern Russlands leitete. Das roch nach einer historischen Parallele.

Comey sei der Einzige gewesen, der sich getraut habe, sich dem Präsidenten in den Weg zu stellen, schrieb das angesehene Rechtsblog Lawfar. Überschrift des Beitrags: "Ein Albtraumszenario".

Wer allerdings an diesem Abend den konservativen Nachrichtensender Fox News einschaltete, der bekam von dem politischen Erdbeben kaum etwas mit. "Comey kann sich glücklich schätzen, dass Präsident Trump so lange an ihm festgehalten hat", versuchte sich Moderator Sean Hannity an einer Analyse. Selbst die Demokraten hätten schließlich seinen Rücktritt gefordert und ihn für ihre Niederlage verantwortlich gemacht, weil er nur Tage vor der Präsidentenwahl neue Einzelheiten zu Hillary Clintons E-Mail-Affäre veröffentlicht hatte. "Jetzt plötzlich legen sie eine 180-Grad-Wende hin", beklagte Hannity.

Auch Breitbart, die bevorzugte Nachrichtenseite der rechtsextremen Bewegung Alt-Right, die einst von Trump-Berater Stephen Bannon geleitet wurde, sah Comey als Schuldigen, der schon lange hätte entfernt werden müssen: "Comey hat den Ruf des FBI versaut", lautete der Titel. Die Russland-Ermittlungen, die mutmaßlich zur Entlassung des obersten US-Strafermittlers führten, erwähnen die trumpfreundlichen Medien allenfalls am Rande. Noch am selben Abend erklärten sie die Entlassung des FBI-Chefs zur "Nicht-Meldung" und widmeten sich wieder anderen Themen – etwa den internationalen Verwicklungen der Clinton Foundation.

Eine gespaltene Realität

Ein großer Teil des Landes erlebe eine völlig andere Realität als der Rest der USA, heißt es in einer Studie der Harvard-Universität zur Rolle der neuen Medien im politischen Diskurs der USA. Derartige Verzerrungen seien in Amerika einfacher, weil die Fronten zwischen Demokraten und Republikanern so verhärtet seien. Kurz: Meldungen bleiben nur dann haften, wenn sie den eigenen Vorurteilen entsprechen. Alles andere wird ignoriert.

Am rechten Rand des politischen Spektrum machen sich Medien wie Fox diesen Mechanismus zunutze. Und er verfehlt seine Wirkung nicht: Einer Umfrage von NBC und dem Wall Street Journal zufolge sind zwei Drittel der Republikaner auch jetzt noch überzeugt, Comey sei wegen des möglichen russischen Einflusses auf die Ermittlungen zu Clinton entlassen worden, wie Trump am Anfang behauptet hatte. Dabei hatte der Präsident schon einen Tag später zugegeben, die Untersuchungen zu Russland hätten bei seiner Entscheidung eine zentrale Rolle gespielt.

Die rechtskonservativen Medien, darunter etablierte TV-Sender, Splitter-Websites wie Infowars und Radiogrößen wie Rush Limbaugh, sehen nicht die zahllosen Enthüllungen zu Trump, sondern die anonymen Quellen, die sie nach außen tragen, als das eigentliche Problem. "Ich habe das Gefühl, das sind Obama-Leute, die Dramen kreieren wollen", unterstellte die Moderatorin Laura Ingram auf Fox News. Breitbart wittert hinter den undichten Stellen eine Schmierenkampagne des deep states – eine von Konservativen gern gewählte Umschreibung für die politischen Untiefen Washingtons – gegen den Präsidenten. Comey sei ein "verbitterter Angestellter", der sich an Trump rächen wolle, behauptete Ingrams Fox-Kollege Hannity, nachdem die New York Times berichtet hatte, der FBI-Direktor sei von Trump gedrängt worden, Ermittlungen gegen seinen ehemaligen Sicherheitsberater Flynn einzustellen.