Der US-Präsident Donald Trump hat seine Kritik an der deutschen Handelspolitik erneut bekräftigt. "Wir haben ein massives Handelsdefizit mit Deutschland", schrieb er am Dienstag auf Twitter. Außerdem zahlten die Deutschen für Nato und Militär viel weniger, als sie sollten. Das sei "very bad", sehr schlecht, für die Vereinigten Staaten. Er kündigte an, dass sich das ändern werde.

Dem Tweet vorangegangen war die offene Distanzierung der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von den USA. Nach dem jüngsten G7-Gipfel sagte sie bei einem Wahlkampfauftritt im Bierzelt: "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei. Das habe ich in den letzten Tagen erlebt." Diese Worte wurden auch in den USA kontrovers diskutiert. Beobachter sahen darin einen enormen Wandel in der politischen Rhetorik. Die Washington Post analysierte, dass die transatlantischen Beziehungen schwächer und die Europäische Union stärker werden könnten. Merkels Aussagen hätten einen "grundlegenden und langfristigen Wandel der Beziehungen zwischen der EU und den USA" in Gang gesetzt.

Für SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hat sich Trump mit seinem Tweet in Konfrontation mit Deutschland begeben. "Donald Trump macht mit seinem Tweet klar, dass er Deutschland für einen politischen Gegner hält", sagte Oppermann vor einer SPD-Fraktionssitzung. "Das ist eine neue Lage." Es sei nicht richtig, wenn die Verständigung zwischen den beiden Regierungschefs "zwischen Bierzelt und Twitter" funktioniere. Dies seien keine angemessenen Medien, um die "gewaltigen Konflikte" zu bewältigen. Oppermann sagte außerdem, die jahrzehntelange Gewissheit, dass sich Deutschland und die USA als Bündnispartner aufeinander verlassen können, gebe es heute nicht mehr.

Die Kritik an Deutschlands Handels- und Verteidigungspolitik hatte Trump bereits zum vor seinem Amtsantritt zum Wahlkampfthema gemacht. Er geht davon aus, dass sich Deutschland durch unfaire Praktiken ein Übergewicht im Handel mit den USA verschafft hat. Auf dem jüngsten Nato-Gipfel hatte er die Kritik wiederholt. Dies war international auf Ablehnung gestoßen. Unter anderem widersprach Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg dem US-Präsidenten. Deutschland stehe zu seiner Verantwortung. Auch Merkel wies die Kritik kurz darauf als "nicht sachgerecht" zurück. Am Rande des G7-Gipfels habe sie mit Trump darüber gesprochen. Es sei bekannt, dass die Deutschen mehr in die USA verkauften, als sie von den Amerikanern kauften. Auf der anderen Seite habe man viel mehr deutsche Direktinvestitionen in Amerika. "Und nach meiner Meinung muss man diese Dinge auch zusammen sehen."