Seit zwei Monaten demonstrieren in Venezuela Tausende Bürger gegen die sozialistische Regierung von Präsident Nicolás Maduro, immer wieder kommt es zu Straßenschlachten mit der Polizei. Bislang starben 60 Menschen, mehr als 1.000 wurden verletzt. Die Nichtregierungsorganisation Foro Penal teilte eine weitere Zahl mit: Fast 3.000 Menschen seien festgenommen worden, davon sei knapp die Hälfte immer noch in Gewahrsam.

Ein Anwalt der NGO sprach von einer Lage wie unter diktatorischen Regimen. 197 der Festgenommenen sollen von Militärgerichten zu Haftstrafen verurteilt worden sein.

Am Dienstag hatten Studenten in der venezolanischen Hauptstadt Caracas für ein Ende der Gewalt demonstriert. Sie wurden von der Polizei mit Tränengas und Gummigeschossen gestoppt. "Was in den vergangenen 60 Tagen geschehen ist, zeigt, wie brutal, verlogen und kriminell die Regierung ist", sagte ein Studentenführer.

Bei einem Gedenkmarsch für die Menschen, die bisher bei den Protesten gestorben sind, wurde auch der bekannte Oppositionsführer Henrique Capriles verletzt. Ein Polizist habe ihm ins Gesicht geschlagen, hieß es von Behörden, außerdem habe die Polizei gegen Capriles Tränengas eingesetzt.

Venezuelas Staatschef Maduro und die Opposition geben sich gegenseitig die Schuld für die mittlerweile fast täglichen Ausschreitungen. Die Opposition kritisiert aber auch mutmaßliche Unterstützer von Maduro. So warf Parlamentspräsident Julio Borges in einem offenen Brief der US-Investmentbank Goldman Sachs vor, ein Komplize bei der Unterdrückung und den Menschenrechtsverletzungen zu sein. Goldman Sachs hatte laut Medienberichten Anleihen des staatlichen Ölkonzerns PDVSA für etwa 865 Millionen Dollar gekauft. 

Vor Goldman Sachs in New York protestierten Exilvenezolaner

Mit dem Anleihenkauf finanziere die Bank den Kampf gegen die Demonstranten, kritisierte Borges. Goldman Sachs verdiene am Leid der Venezolaner. "Ich bezweifele ernsthaft, dass die Manager von Goldman Sachs das Elend begreifen, in dem die Venezolaner Tag für Tag leben und das sie nun aktiv finanzieren."

Die Investmentbank verteidigte sich: Man habe die Schuldscheine nicht direkt beim venezolanischen Staat, sondern über einen Vermittler auf dem Sekundärmarkt gekauft. "Wir erkennen an, dass die Situation komplex ist und Venezuela sich in einer Krise befindet", hieß es in einem Schreiben, aus dem der US-Fernsehsender CNBC zitierte. "Wir stimmen zu, dass das Leben sich dort verbessern muss." Man habe die Investitionen zum Teil auch deshalb gemacht, weil man daran glaube, dass das der Fall sein werde.

Die venezolanische Nationalversammlung forderte den US-Kongress auf, den Anleihenkauf zu untersuchen. Eine Sonderkommission soll zudem die Rolle des Chefs der venezolanischen Zentralbank in dem Deal überprüfen, wie die Zeitung El Nacional berichtete. Vor dem Sitz von Goldman Sachs in New York protestierten am Dienstag Exilvenezolaner.