Bei Protesten gegen die sozialistische Regierung von Nicolás Maduro in Venezuelas Hauptstadt Caracas ist der Oppositionsführer Henrique Capriles verletzt worden. Ein Polizist habe ihn ins Gesicht geschlagen, sagte der Gouverneur des Bundesstaates Miranda. Außerdem hätten Polizisten Tränengas gegen Capriles eingesetzt. Drei seiner Mitarbeiter seien von Gummigeschossen getroffen worden. Insgesamt gab es mindestens 16 Verletzte, auch der oppositionelle Abgeordnete Carlos Paparoni wurde verwundet. Er verletzte sich am Kopf, als er vom Strahl eines Wasserwerfers auf die Straße geworfen wurde.

In weißen Hemden und mit weißen Fahnen hatten zahlreiche Demonstranten der 60 Menschen gedacht, die bei den jüngsten Protesten gegen die Regierung ums Leben kamen. Die Polizei stoppte den Gedenkmarsch und setzte Tränengas und Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein. "Das ist kriminelles Verhalten", sagte der oppositionelle Abgeordnete Luis Florido. "Es war ein Überfall. Aber wir werden die Proteste fortsetzen und ausweiten, denn die Stunde des Wandels in Venezuela ist gekommen."

Capriles ist einer der prominentesten Regierungsgegner in Venezuela. Vor knapp zwei Wochen hinderten ihn die Behörden an einer Reise in die USA, wo er dem Menschenrechtskommissariat der Vereinten Nationen über die jüngsten Gewalttaten bei den Protesten gegen die Regierung berichten wollte.

Zudem hatte ihm die Regierung zuletzt das passive Wahlrecht entzogen. 15 Jahre lang darf er nicht mehr für politische Ämter kandidieren oder sich für andere öffentliche Ämter bewerben. Capriles galt als aussichtsreicher Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2018.

Seit Anfang April gehen in Venezuela fast täglich Menschen auf die Straße, um gegen Staatschef Nicolás Maduro und seine Regierung zu protestieren. Auslöser der Protestwelle war die zeitweise Entmachtung des Parlaments, das von Regierungsgegnern kontrolliert wird. Maduro wirft der Opposition vor, gemeinsam mit dem Ausland einen Sturz seiner Regierung zu planen.

Maduro wiederholte, er werde vor den Demonstranten nicht einknicken. Die Opposition verweigere den Dialog, während er die Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung vorgeschlagen habe, sagte er am Montag. "Entweder sie wählen den Weg des Friedens oder den Weg des Krieges, der Gewalt – bis zur Niederlage", sagte Maduro. Die US-Regierung habe der venezolanischen Opposition den Befehl erteilt, Venezuela zu "zerstören und niederzubrennen".

Venezuela leidet seit Jahren unter einer schweren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Krise, die sich zuletzt verschärft hat. Regierung und Opposition stehen sich unversöhnlich gegenüber. Aus Mangel an Devisen fehlt es im ölreichsten Land der Welt an Grundnahrungsmitteln und Medikamenten.