Der frühere nationale Sicherheitsberater der USA, Zbigniew Brzeziński, ist nach Angaben seiner Tochter im Alter von 89 Jahren gestorben. Er sei der inspirierendste Vater gewesen, den ein Mädchen je hätte haben können, sagte sie. Der frühere US-Präsident Jimmy Carter würdigte seinen damaligen Berater als "hervorragenden Staatsdiener", den er als "brillant, engagiert und loyal" in Erinnerung behalte. 

Der in Warschau geborene Brzeziński war in Kanada und den USA ausgebildet worden. Als er die Aufmerksamkeit von US-Politikern auf sich zog, galt er bereits als ausgewiesener Kommunismusexperte. Brzezinski war zunächst Berater der US-Präsidenten John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson und später Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter. Er war ein Experte für geopolitische Strategie und Außenpolitik und gilt als Vordenker seiner Zeit.

Als Sicherheitsberater von Carter musste Brzeziński Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre das Fortlaufen des Kalten Krieges strategisch mitgestalten. Zu seinen größten beruflichen Herausforderungen gehörte die sowjetische Invasion in Afghanistan und die Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran. Die misslungene Befreiung der mehr als 50 US-Diplomaten kostete Carter die Wiederwahl, Brzeziński trat danach zurück.

Er half dabei, wirtschaftliche Hürden zwischen der Sowjetunion, China und dem Westen aufzuheben. Zudem unterstützte er seinen US-Präsidenten dabei, die Kluft zwischen dem damaligen ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat und dem damaligen israelischen Regierungschef Menachem Begin zu überbrücken. Dies führte 1978 zum Camp-David-Vertragswerk, durch das erstmals Frieden zwischen den beiden Ländern in Aussicht gestellt wurde. Drei Monate später hatten sich die Beziehungen zwischen den USA und China normalisiert, eine Priorität für Brzeziński.


Kritik an der Irak-Invasion und an Donald Trump

Nach seiner Zeit als Berater mischte er sich in Essays, Interviews und Fernsehauftritten weiterhin politisch ein. Nach Carter verfolgte er sechs Regierungen mit kritischem Blick – einschließlich die von Donald Trump, dessen Wahl er nicht guthieß und dessen Außenpolitik er für inkohärent befand. Er gehörte zu den wenigen außenpolitischen Experten, die sich 2003 gegen die Irak-Invasion aussprachen.

Der Politologe veröffentlichte mehrere Studien zur strategischen Rolle der USA. 1997 erschien sein Buch Die einzige Weltmacht, in dem er die These vertritt, nach dem Zerfall der Sowjetunion müssten die Vereinigten Staaten ihre Vorherrschaft in Europa und Asien sichern.

Laut der New York Times war Brzeziński offiziell Demokrat; in seinem starken Misstrauen gegen die Sowjetunion stand er aber den Republikanern näher. Er sprach sich gegen die "Habgier" der US-Gesellschaft aus, die Ungleichheit noch verschlimmere.