Nach der Explosion am Brüsseler Zentralbahnhof geht die belgische Staatsanwaltschaft von einem Anschlag aus. Sicherheitskräfte schossen am Dienstagabend im Zentralbahnhof einen Verdächtigen nieder, der kurz zuvor eine kleinere Explosion ausgelöst haben soll. Eine Sprecherin der belgischen Staatsanwaltschaft sagte: "Es gab eine kleinere Explosion an oder bei dem Mann." Weiter teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass es sich bei dem Angreifer nach ersten Erkenntnissen um einen Terroristen gehandelt habe. Er starb an seinen Verletzungen. Weitere Opfer gab es nicht. 

Nach Angaben von Augenzeugen hatte der Verdächtige "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gesagt, bevor er niedergeschossen wurde. Der Mann habe das nicht laut gerufen, sondern eher gemurmelt, sagte der Bahnhofsmanager Jean-Michel Michel der Deutschen Presse-Agentur. Michel stand unmittelbar neben dem Mann.

Nachdem der Mann niedergeschossen wurde, lag er nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga zunächst lange auf dem Boden. Ärzte konnten den Mann mehrere Stunden lang nicht untersuchen, weil die Sorge bestand, dass der Verdächtige eventuell Sprengstoff an sich tragen könnte. Die Behörden hätten den Tod des Verdächtigen deshalb erst bestätigen können, nachdem Spezialisten des Bombenräumkommandos ihre Arbeit getan hätten, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Später stellte sich heraus, dass der Mann keinen Sprengstoff an sich trug.

An dem unterirdisch gelegenen Bahnhof Central war nach der Explosion Panik ausgebrochen. Das Gebäude und der 200 Meter entfernte Grand Place wurden abgesperrt. Auch umliegende Gebäude wurden vorsichtshalber geräumt. Die Bahngesellschaft SNCB teilte mit, der Verkehr sei auf Anweisung der Polizei unterbrochen worden, auch in anderen großen Stationen wie Brüssel-Nord und Brüssel-Midi. In der Nacht wurde der Zugverkehr in der belgischen Hauptstadt wieder aufgenommen, allerdings ohne Halt am weiterhin gesperrten Hauptbahnhof.

Der belgische Ministerpräsident Charles Michel kündigte für Mittwochvormittag eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats an. Das Zentrum zur Überwachung von Terrorgefahren in Belgien erklärte, nach bisheriger Einschätzung werde die Alarmstufe nach dem Vorfall nicht auf das höchste Niveau gestellt.

Seit den Anschlägen auf dem Brüsseler Flughafen und einer U-Bahnstation der Hauptstadt am 22. März 2016 gilt in Belgien eine hohe Alarmstufe. Selbstmordattentäter hatten damals 32 Menschen mit in den Tod gerissen. Am Donnerstag und Freitag findet in Brüssel der EU-Gipfel statt.