Die iranischen Revolutionsgarden haben den USA und Saudi-Arabien eine Verwicklung in den Doppelanschlag in Teheran mit zwölf Toten und 40 Verletzten vorgeworfen. Dass US-Präsident Donald Trump kurz zuvor "eine der reaktionärsten Regierungen in der Region" besucht habe, sei "sehr bedeutungsvoll" und "zeige, dass sie in diese grausame Aktion verwickelt" seien, teilte die Eliteeinheit mit Blick auf Trumps Besuch in Riad mit.

Es waren dramatische Szenen, die sich im politischen Zentrum von Teheran am Mittwochmorgen abspielten. Schüsse hallten durch die Straßen, Menschen kauerten zum Schutz hinter Alleebäumen. Sunnitische Terroristen nahmen das Parlament und das Mausoleum von Staatsgründer Ajatollah Chomeini unter Feuer. Zu der Tat bekannte sich hinterher der "Islamische Staat".

Parlamentspräsident Ali Laridschani reagierte demonstrativ gelassen und nannte den Angriff auf das Parlament "eine triviale Angelegenheit". Sollte aber tatsächlich der IS hinter den Anschlägen stecken, wäre es der erste Anschlag der Terrormiliz auf dem Staatsgebiet der schiitischen Vormacht im Nahen Osten.

Iran ist im Fokus des IS

Die genauen Hintergründe der beiden Attentate sind noch unklar, auch über die Identität der Attentäter ist noch nichts bekannt. Allerdings hatte der IS bereits im März zum ersten Mal auch der Islamischen Republik explizit mit Terroranschlägen gedroht. Man werde den Iran erobern und ihn wieder zu einer sunnitischen Nation machen, hieß es in der Audiobotschaft. Die Drohung erneuerte der IS nun: Man werde "keine Gelegenheit auslassen, ihr Blut zu vergießen", bis das islamische Recht der Scharia im Iran eingeführt sei, hieß es in einer Erklärung.

Im syrischen Bürgerkrieg kämpfen die iranischen Revolutionsgarden sowie schiitische Milizen an der Seite des Regimes von Baschar al-Assad gegen die Aufständischen, unter denen sunnitische Extremisten eine immer zentralere Rolle spielen. Im Irak beteiligen sich die iranhörigen Paramilitärs an der Rückeroberung der Metropole Mossul, wo der IS kurz vor der militärischen Kapitulation steht.

Terrortaten sunnitischer Radikaler, von denen viele mit dem IS sympathisieren, hat es in den vergangenen Jahren häufiger im Iran gegeben. Geheimdienstminister Mahmud Alawi räumte sogar ein, sein Land habe bisher die Ausreise von rund 1.500 jungen Männern in das IS-Gebiet verhindert.  

Im Mai kamen nach einer langen Phase der Ruhe auch die Gefechte mit kurdischen Separatisten im Westen des Landes wieder auf. Zwei Soldaten wurden getötet, drei wurden schwer verletzt. Im Südosten an der Grenze zu Pakistan gibt es vor allem in der Provinz Sistan und Belutschistan Unruhen, deren sunnitische Bevölkerung sich von der Regierung in Teheran diskriminiert und vernachlässigt fühlt. Die dort operierende Terrororganisation Jaish al-Adl, die sich zu Al-Kaida zählt, erschoss zuletzt im April zehn iranische Grenzpolizisten. Bei ihrem bisher schwersten Attentat im Jahr 2009 wurden 42 Menschen getötet, die meisten gehörten den Revolutionsgarden an.

Der Doppelanschlag in Teheran, den der IS ausgeübt haben will, fällt in eine Phase höchster Spannungen zwischen den beiden regionalen Rivalen Iran und Saudi-Arabien. Der Iran fühlt sich als globale Schutzmacht der Schiiten, Saudi-Arabien mit Mekka und Medina als sunnitische Vormacht. Die saudische Führung wirft der Regierung in Teheran vor, permanent Unruhe in der Region zu stiften und den Terror zu fördern – ein Urteil, dem sich US-Präsident Donald Trump bei seinem Besuch in Riad vor drei Wochen anschloss.