Nach dem Anschlag in London hat der Oberste Religionsführer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, dem Westen eine Mitschuld an der Verbreitung des Dschihadismus gegeben. Die westlichen Länder hätten im Kampf etwa gegen die Miliz "Islamischer Staat" (IS) versagt, kritisierte Chamenei in einer Fernsehansprache. Die Extremistengruppe werde "von ihrem Entstehungsort im Irak und in Syrien vertrieben und verlagere sich in andere Länder" – etwa nach Afghanistan, Pakistan, auf die Philippinen und in europäische Länder.

"Das ist ein Feuer, das die westlichen Mächte selbst entzündet haben und das gegen sie zurückgeschlagen ist", sagte Chamenei. Die Fernsehansprache hielt er anlässlich einer Gedenkzeremonie zum Tod des iranischen Revolutionsführers, Ajatollah Chomeini, vor 28 Jahren.

Am Samstagabend hatten drei Attentäter auf der London Bridge mit einem Lieferwagen Fußgänger angefahren. Anschließend stachen sie in dem nahe gelegenen Ausgehviertel Borough Market auf Menschen ein. Sieben Menschen starben, 48 wurden verletzt, 21 davon schweben in Lebensgefahr. Der IS hat die Tat für sich reklamiert.

Unmittelbar nach dem Anschlag hatte der Iran den Terroranschlag in London noch scharf verurteilt und den Familien der Opfer sein Beileid ausgesprochen. "Der Anschlag in London und die anderen Anschläge in den letzten Tagen sind ein ernsthaftes Warnsignal", sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Die Ausrottung des Terrorismus sei eine "globale Notwendigkeit" und erfordere globale Zusammenarbeit.

"Revolutionäres Verhalten ist noch kein Extremismus"

Chamenei wies in seiner Ansprache außerdem die Kritik des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani zurück, der vor seiner Wiederwahl im Mai seine Gegner als "Extremisten" bezeichnet hatte. "Verwerft nicht revolutionäres Verhalten als Extremismus", sagte er. "Revolutionär zu sein, ist heute das Gebot für das Land." Am 20. Mai gewann der gemäßigte Ruhani die Präsidentschaftswahl im Iran mit 57 Prozent der Stimmen. Der Iran müsse sich davor schützen, "wieder unter die Vorherrschaft der Macht von Amerika und dessen Arroganz zu geraten", kritisierte Chamenei.