Irlands konservative Partei Fine Gael hat Leo Varadkar zum neuen Premierminister des Landes bestimmt. Das teilte die Partei mit. Damit löst der bisherige Sozialminister Enda Kenny als Parteivorsitzenden und Regierungschef ab.

Der neue Parteichef wurde über ein Wahlkollegium der Fine-Gael-Mitglieder bestimmt. Varadkar konnte 60 Prozent der Delegiertenstimmen auf sich vereinen. Der Abgeordnete für Dublin West konnte sich gegen Simon Coveney aus dem südwestirischen Cork durchsetzen.

Varadkar wird voraussichtlich am 13. Juni, wenn das Parlament nach einer einwöchigen Pause wieder zusammenkommt, offiziell als Premier bestätigt werden. Er wäre nicht nur der erste offen schwule Premierminister, sondern mit 38 Jahren auch der jüngste Regierungschef in der Geschichte des Landes.

Wenige Monate vor dem irischen Referendum über die Homo-Ehe im Mai 2015 hatte sich Varadkar öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt. "Ich bin schwul. Es ist kein Geheimnis, aber vermutlich weiß es nicht jeder", sagte er. Noch bis 1993 waren im katholisch geprägten Irland gleichgeschlechtliche Beziehungen strafbar. 

Varadkar galt schon lange als Favorit für das Amt des Parteivorsitzenden und Regierungschefs. Der Sohn einer irischen Mutter und eines indischen Einwanderers wurde 2007 erstmals in das irische Parlament gewählt. 2011 wurde er zum Verkehrsminister ernannt. Von 2014 bis 2016 war er Gesundheitsminister. Seit Mai 2016 hatte er das Sozialressort inne. Seine politische Ausrichtung bezeichnet er selbst als "sozial- und wirtschaftsliberal".

Kenny hatte Mitte Mai seinen Rückzug aus der konservativen Partei angekündigt. Er stand seit Monaten wegen seiner Rolle in einer Schmutzkampagne gegen einen Polizei-Whistleblower unter Druck. Der 66-Jährige war seit 2002 Parteichef und seit 2011 Premier. Die fragile Minderheitsregierung von Fine Gael wird von der ebenfalls konservativen Partei Fianna Fáil unterstützt.