Wichtig war, dass das Publik wohlgesonnen ist: Für die Ankündigung seiner Kuba-Politik wählte Donald Trump das Manuel Artime Theater in Little Havana, Miami. Artime gehörte zu jener Brigade, die im April 1961 versuchte, das Regime von Fidel Castro zu stürzen. Schon der Name des Veranstaltungsortes war ein Statement. Das Theater liegt zudem in einer Nachbarschaft, in der viele Exil-Kubaner wohnen, die den politischen Kurs in ihrer Heimat vehement ablehnen. Und die Entspannung der Beziehungen unter Barack Obama kritisch sahen.

Entsprechend euphorisch wurde Trump begrüßt, nachdem bereits vorher bekannt geworden war, dass er einige Teile von Obamas Entscheidung zurücknehmen wird. Immer wieder mischten sich "Trump"-Rufe mit dem Schlachtruf des Tages: "Cuba Sí, Castro No". Und der US-Präsident versprach seinem Publikum in typischer Manier "einen besseren Deal für Amerika und die Menschen von Kuba".

Trumps Entscheidung sieht vor allem eine strengere Kontrolle der finanziellen Beziehungen vor. So sollen Transaktionen mit Unternehmen und Einrichtungen unterbunden werden, die von der kommunistischen Regierung in Havanna oder dem kubanischen Militär kontrolliert werden. Ziel sei es, Geschäfte zu verhindern, von denen das Castro-Regime profitiere, von denen die Bevölkerung aber nichts habe, sagte Trump. "Wir arbeiten auf ein stabiles, freies und wohlhabendes Land für die Leute von Kuba hin." Es müsse verhindert werden, dass US-Gelder an ein Regime gingen, das nicht in der Lage sei, die grundsätzlichen Anforderungen an eine freie und gerechte Gesellschaft zu erfüllen. Erst wenn die Regierung in Havanna bereit sei, sich zu öffnen, würden die USA für einen "viel besseren Deal" an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Risiko für Trump

Mit dem Dekret kehren die USA zu einem Denken aus dem Kalten Krieg zurück. Für Trump ist der Schritt politisch wie wirtschaftlich riskant. Seit Barack Obama das seit 56 Jahren geltende Embargo vor drei Jahren per Verordnung lockerte, haben die Geschäftsverbindungen zwischen den USA und Kuba deutlich zugenommen. Zahlreiche Fluglinien bieten inzwischen Direktflüge an, amerikanische Hotelketten wie Marriott haben Lizenzen für die Insel erworben. Der Tourismus war zwar auch unter Obama weiterhin offiziell untersagt, doch die Gründe, die für eine Genehmigung der Reise nötig waren, wurden großzügig ausgelegt. Mehr als 600.000 Amerikaner sind so allein im vergangenen Jahr nach Kuba gereist. Viele Kubaner wiederum bieten ihre Zimmer auf Airbnb an, Kleinunternehmer betreiben Cafés und Bars in ihren Wohnungen.

Die Neuregelung macht einen Großteil Kubas künftig unzugänglich für US-Amerikaner. Zahlreiche Hotels, Restaurants und öffentliche Touren werden bis heute von einem Ableger des kubanischen Militärs kontrolliert. Er kontrolliert Schätzungen zufolge 60 Prozent der kubanischen Wirtschaft und rund 80 Prozent des Tourismusgeschäfts. Trump befördere die Beziehungen zwischen den USA und Kuba mit dem heutigen Tag zwar nicht zurück ins Tiefkühlfach, kommentierte der Radiosender NPR – aber zumindest in den Kühlschrank.

Eine Verschärfung der Bestimmungen könnte die US-Wirtschaft 6,6 Milliarden Dollar an Einnahmen und knapp 13.000 Jobs kosten, hat die Organisation Engage Cuba vorgerechnet. Doch nicht nur aus der Wirtschaft war in den vergangenen Wochen Widerstand gegen die Pläne der neuen Regierung zu spüren: Der Jubel in Little Havana täuscht auch über die Stimmung im Rest Amerikas hinweg. Rund 75 Prozent der Bevölkerung befürworten laut einer Umfrage des Pew Research Centers die Lockerungen unter Obama. Selbst im US-Kongress gibt es inzwischen eine parteiübergreifende Mehrheit für ein Ende des Embargos.