Nur Minuten nach der Anhörung des ehemaligen FBI-Chefs James Comey vor einer Woche hatte Marc Kasowitz seinen ersten großen Auftritt. Der New Yorker Jurist erklärte mit gewohnt spöttischem Blick die knapp zweistündige Fragerunde kurzerhand zum Sieg für seinen Mandanten. Endlich sei öffentlich bestätigt, dass der Präsident selbst nicht Gegenstand irgendwelcher Ermittlungen sei – ein Aspekt, der als einziger nicht den Weg in die Presse gefunden habe, die sonst nach Belieben geheime Details ausplaudere.

Der Präsident fühle sich vollständig rehabilitiert und könne es nicht erwarten, sich wieder auf seine Agenda und "das Geschäft" zu konzentrieren. Fragen der anwesenden Journalisten blieben unbeantwortet, für falsche Freundlichkeit hat Kasowitz keine Zeit.

 
Jetzt, nur eine Woche später, scheint sich das Blatt wieder gewendet zu haben – dank neuer undichter Stellen. Am Mittwochabend berichtete die Washington Post mit Berufung auf ranghohe Offizielle, Sonderermittler Robert Mueller untersuche nun auch die Frage, ob der Präsident bewusst versucht habe, Einfluss auf die Ermittlungen in der Russland-Affäre zu nehmen. Ein erstes Statement aus der Kanzlei von Kasowitz las sich auffällig ausweichend. "Das Enthüllen von Informationen des FBI über den Präsidenten ist ungeheuerlich, unentschuldbar und illegal", hieß es darin lediglich.

Kasowitz, der Mann mit dem weißen Haar und der gebräunten Haut, die immer danach aussieht, als käme er gerade von einem Wochenende in den Hamptons zurück, hat sich in den 1990er Jahren einen Namen gemacht als Anwalt, der Tabak-Konzerne, Banken und Versicherer aus der Schusslinie holte, wenn sie sich an den Grenzen des Wirtschaftsrechts bewegt hatten. Später vertrat er ebenso prominente wie umstrittene TV-Größen wie Schauspieler Bill Cosby oder Fox-News-Anchor Bill O’Reilly.

Das Seidentuch, das er stets in der Tasche seines Jacketts trägt, könnte auch dazu dienen, sich nach einer gewonnenen Schlacht kurz den Staub von der Schulter zu klopfen. Kasowitz gilt in den brutalen Kreisen des Immobiliengeschäfts von Manhattan als "Fixer" – also als jemand, der immer dann gerufen wird, wenn es wirklich brennt. Auf der Webseite seiner Anwaltskanzlei wird der 64-Jährige als "der härteste Anwalt der Wall Street" beschrieben.

Jetzt hat er mit dem Präsidenten den wohl wichtigsten Klienten seiner Karriere. Vor wenigen Wochen holte Donald Trump Kasowitz als persönlichen Anwalt an Bord, um Ordnung in das Chaos zu bringen, das nach nur 150 Tagen im Amt herrscht. Die Russland-Ermittlungen haben den Präsidenten in die Defensive gedrängt, seine Agenda – sei es die groß angekündigte Steuerreform oder das Mammut-Projekt Gesundheitsreform – liegt seit Wochen auf Eis. Stattdessen scheint das Team um den Präsidenten inzwischen Vollzeit mit der Schadensbegrenzung beschäftigt zu sein. Erst vor wenigen Wochen war durchgesickert, Trump wolle einen "Kriegsraum" einrichten, der sich ausschließlich mit der Krisenbekämpfung beschäftigt – und der gefüllt sei mit hochbezahlten Anwälten und PR-Experten.

Dass Trump nun ausgerechnet auf Kasowitz setzt – einen langjährigen engen Vertrauten ohne Expertise in Regierungsangelegenheiten und politischen Fallstricken – sorgt in Washington für Aufsehen. Viele sehen darin nicht nur einmal mehr ein Beispiel für das Verhalten eines Präsidenten, dem Loyalität als oberstes Gebot gilt. Die Ernennung gilt auch als jüngster Schritt eines tief misstrauischen Weißen Hauses, das sich zunehmend von der Öffentlichkeit abschirmt. Kasowitz ist kein offizieller Regierungsangestellter, sondern agiert als persönlicher Anwalt Trumps. Als solcher muss er Gespräche mit seinem Klienten im Zweifel nicht offenlegen.