Mehrere tausend Menschen haben gegen Korruption in der Slowakei protestiert und den Rücktritt von Innenminister Robert Kalinak gefordert. Der Politiker steht seit Monaten in Verdacht, sein Amt ausgenutzt zu haben. Bei den Kundgebungen in der slowakischen Hauptstadt Bratislava, in der zweitgrößten Stadt Kosice im Osten des Landes sowie vor der slowakischen Botschaft in Prag forderten die Demonstranten außerdem die Entlassung des Polizeipäsidenten und des Spezialstaatsanwalts, der für Korruptionsbekämpfung zuständig ist.

Slowakische Medien schätzen die Zahl der Demonstranten auf 5.000 bis 10.000. Damit ist es einer der größten Proteste seit Amtsantritt von Ministerpräsident Robert Fico 2012. 

Kalinak steht im Verdacht, einen der wegen Steuerhinterziehung angeklagten Unternehmer begünstigt zu haben. Dafür soll der Politiker eine Belohnung angenommen haben. Kalinak und der Projektentwickler Ladislav Basternak haben jegliche Vorwürfe bisher abgestritten. Der Innenminister hatte lediglich zugegeben, Anteile von 17 Prozent an einer der Firmen von Basternak gekauft zu haben. Wiederholte Misstrauensanträge der Opposition waren bisher immer wieder an der Parlamentsmehrheit der Regierung gescheitert.   

Eine Dokumentensammlung, die unter dem Codenamen "Gorilla" bekannt wurde, war der Auslöser für einen Korruptionsskandal. Die Dokumente legen nahe, dass eine Finanzgruppe Regierungs- und Oppositionsmitglieder bestochen haben könnte, um Privatisierungsaufträge zu bekommen. Medien und Opposition hatten Teilen der Justiz zuvor vorgeworfen, in diesem Fall untätig und befangen zu sein. Zu den zentralen Forderungen der Demonstranten gehörte auch die Aufarbeitung des Skandals.

Zuvor hatten Künstler und Medien Jugendliche zu der Demonstration aufgerufen. Schon im April hatte es einen ähnlichen Protest in Bratislava gegeben. Damals waren Dokumente über mögliche Bestechungen online aufgetaucht, die vom slowakischen Geheimdienst stammen sollen.