Am späten Nachmittag soll schließlich auch der Generalstabschef Hulusi Akar Bescheid bekommen haben. Akar sagte zwar nicht vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss aus, beantwortete auf Druck der Opposition aber zumindest schriftlich an ihn gerichtete Fragen. Demnach hat er unter anderem um 18.30 Uhr den Befehl erteilt, alle in der Luft befindlichen Streitkräfte zurück zur Basis zu rufen. Aus Akars Antworten geht hervor, dass ein Putsch gar nicht Thema gewesen sei, er dafür aber von einem Komplott gegen den Geheimdienstchef ausging.

Die Putschisten entschieden sich vermutlich wegen des aufgedeckten Plans dazu, die für 3 Uhr nachts (16. Juli 2016) vorgesehene Aktion auf 22 Uhr vorzuziehen. Der Generalstabschef feiert das als Erfolg. Die ergriffenen Maßnahmen hätten erheblich zum Scheitern der Putschisten beigetragen. Ein Kolumnist der Zeitung Hürriyet konterte: "Wie wollt ihr diesen Erfolg den 250 Menschen erzählen, die beim Putschversuch getötet worden sind?"

Trotz der veröffentlichten Aussagen bleibt weiterhin unklar, warum bis zum Aufstand abgewartet wurde. Warum Verdächtige nicht direkt ergriffen wurden. Warum so viele Menschen gestorben sind, obwohl mindestens zwei der mächtigsten Männer des Landes einen potenziellen Staatsstreich in Betracht ziehen konnten. Unklar ist auch, was konkret zwischen MiT-Chef Fidan und Akar besprochen wurde. Der Geheimdienstchef hatte sich mit ihm kurz vor Beginn des Putsches im Quartier des Generalstabs getroffen. Später wurde Akar in seinem Zimmer von Soldaten in Geiselhaft genommen und wieder frei gelassen, als sich abzeichnete, dass der Putsch scheitert.

Unklar bleibt auch die Rolle von Recep Tayyip Erdoğan. Als das Parlament in Ankara beschossen wurde und ein Kampfjet über der Hauptstadt kreiste, war der Staatspräsident mit seiner Familie im Urlaub. Die Putschisten flogen zu ihm, zu einer Villa im Badeort Marmaris. Als die bewaffneten Soldaten vor der Tür standen, war Erdoğan bereits abgeflogen. In einem Fernsehinterview gab er an, dass er zuerst durch einen Anruf seines Schwagers von dem laufenden Putsch erfahren habe.