Wegen einer Immobilienaffäre hat die französische Justiz Vorermittlungen gegen den Minister für den territorialen Zusammenhalt, Richard Ferrand, eingeleitet. Das teilte die Staatsanwaltschaft der nordwestfranzösischen Stadt Brest am Donnerstag mit.

Die Affäre um ein früheres Immobiliengeschäft lastet schon seit Tagen auf der Regierung von Frankreichs neuem Staatschef Emmanuel Macron. Sie kommt für diesen auch deswegen ungünstig, weil die Franzosen am 11. Juni ein neues Parlament wählen. Ferrand gilt als enger Vertrauter Macrons. Er war 2016 der erste Abgeordnete, der sich Macrons Bewegung En Marche! anschloss. Später wurde er deren Generalsekretär. In dieser Funktion organisierte er Macrons Wahlkampf um die Präsidentschaft.

Die Staatsanwaltschaft von Brest hatte es vergangene Woche noch abgelehnt, in der Affäre Vorermittlungen einzuleiten. Nun erklärte Staatsanwalt Eric Mathais, nach der Analyse neuer Elemente habe er sich für diesen Schritt entschieden.

Hintergrund ist ein Immobiliengeschäft aus dem Jahr 2011. Ein damals von Ferrand geleiteter Versicherungsverein hatte zu diesem Zeitpunkt in Brest für die Anmietung eines Gebäudes ein Geschäft mit der Lebensgefährtin des heutigen Ministers abgeschlossen.

Macron hatte sich noch am Mittwoch hinter Ferrand gestellt. Dieser verneint jedes Fehlverhalten und lehnt einen Rücktritt ab. Allerdings fordern einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Instituts Harris zufolge 70 Prozent der Franzosen genau diesen Schritt.