Die Kontakte des britischen Politikers und Brexit-Befürworters Nigel Farage sind laut einem Bericht des Guardian von Interesse für die US-Bundespolizei FBI. Bei der Untersuchung der Frage, ob es vor der US-Wahl im vergangenen Jahr Absprachen zwischen Russland und dem Wahlkampfteam des heutigen US-Präsidenten Donald Trump gegeben hat, sei Farage eine "Person von Interesse", schreibt die Zeitung unter Berufung auf Quellen, die mit den Ermittlungen vertraut sind.

Farage sei aber weder Verdächtiger, noch Ziel der Untersuchung, heißt es in dem Bericht. Auch werde Farage kein Fehlverhalten vorgeworfen. Das FBI sei auf den ehemaligen Parteichef der rechtspopulistischen Ukip wegen dessen Beziehungen zu Personen aufmerksam geworden, die sowohl Verbindungen zum Wahlkampfstab von Trump als auch zu WikiLeaks-Gründer Julian Assange haben sollen.

Die Enthüllungsplattform WikiLeaks hatte wenige Wochen vor der US-Wahl im vergangenen November E-Mails veröffentlicht, die aus dem Wahlkampflager der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton stammten. Sie waren bei einem Hackerangriff gestohlen worden und schadeten Clinton im Wahlkampf. Außerdem steht WikiLeaks im Verdacht, über Dritte mit Russland zusammengearbeitet zu haben. Diesen Vorwurf äußerte der frühere CIA-Chef John Brennan vor dem Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses.

Trump, seine Berater sowie die russische Regierung haben stets dementiert, dass es vor der US-Wahl Absprachen gegeben hat. Auf Nachfrage des Guardian teilte Farages Sprecher mit, auch er habe noch nie mit russischen Behörden zusammengearbeitet. Die Frage, ob Farage vom FBI kontaktiert worden sei, beantwortete der Sprecher nicht.

Nach einem Bericht der Daily Mail soll Farage den Bericht als "hysterisch" zurückgewiesen haben. Er sei nie in Russland gewesen und habe auch nie Geschäfte mit Russland gemacht. Ein Ukip-Sprecher bezeichnete den Bericht als "absurd". Seines Wissens sei der einzige ernsthafte russische Politiker, den Farage je getroffen habe, der Oppositionelle Garry Kasparow.

Farage ist ein guter Bekannter Trumps, er war einer der ersten, der den US-Präsidenten nach dessen Wahlsieg besuchten. Anfang Mai, als Farage im Interview mit ZEIT ONLINE auf seine Russland-Kontakte angesprochen wurde, brach er das Gespräch mehrfach ab. Auch wollte sich Farage nicht näher dazu äußern, was er und WikiLeaks-Gründer Julian Assange im Frühjahr dieses Jahres in der ecuadorianischen Botschaft in London besprochen hatten. Assange lebt dort seit 2012 im Exil.

Repräsentantenhaus will Trumps Anwalt befragen

In den USA gehen die Ermittlungen gegen Trumps Team indes weiter. Aufschlüsse erwartet sich der Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses unter anderem von Trumps Anwalt Michael Cohen. Sowohl Cohen als auch der frühere Nationale Sicherheitsberater Michael Flynn bekämen eine Vorladung für eine Aussage, teilte der Ausschuss mit. Der Sender CNN berichtete unter Berufung auf einen Insider, der von Trump entlassene FBI-Chef James Comey sei bereit, ab der kommenden Woche in einer öffentlichen Sitzung im Senat auszusagen.