Nach Angaben des russischen Präsidenten Wladimir Putin gibt es keine staatlichen Hackerangriffe auf andere Länder. "Auf staatlicher Ebene machen wir so etwas nicht, und wir haben es auch nicht vor", sagte Putin in St. Petersburg bei einem Treffen mit Chefs internationaler Nachrichtenagenturen. Einige individuelle und "patriotische" Hacker könnten aber angesichts der derzeitigen Beziehungen zwischen Russland und dem Westen Angriffe initiiert haben, sagte er.

"Ich bin überzeugt, dass Hacker keine Wahl in einem anderen Land – in Europa oder den USA – entscheidend beeinflussen können", sagte Putin. Seine Regierung wolle gemeinsam mit internationalen Partnern gegen Cyber-Kriminalität vorgehen.

Die US-Geheimdienste haben Russland vorgeworfen, sich durch Hackerangriffe auf den E-Mail-Verkehr der Demokratischen Partei in den Wahlkampf vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl im November eingemischt und dem heutigen US-Präsidenten Donald Trump so zum Wahlsieg verholfen zu haben. Auch in Deutschland gibt es die Sorge, russische Hacker könnten versuchen, durch gezielte Veröffentlichungen nicht öffentlicher Dokumente oder Kommunikationen die Bundestagswahl zu beeinflussen. So wurde der Bundestag 2015 von Hackern angegriffen, deren Spuren unter anderem nach Russland führten.

Putin bestritt aber, Interesse an einem bestimmten Ausgang der Wahl in Deutschland zu haben. "Wir ziehen niemanden vor", sagte der Präsident. Man werde mit jeder künftigen Regierung zusammenarbeiten. "Angela und ich kennen uns schon lange", sagte der Kremlchef. Den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz kenne er dagegen "fast nicht". Dieser sei aber ein erfahrener Politiker.

Wichtig sei, dass beide Seiten eine konstruktive Zusammenarbeit wollten, so Putin. An den Wirtschaftsbeziehungen hingen in Deutschland und Russland "Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende Arbeitsplätze". Die zuverlässige Belieferung mit vergleichsweise billigen Rohstoffen stärke die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Derzeit sind die Wirtschaftsbeziehungen durch die innerhalb der EU beschlossenen Sanktionen gegen Russland belastet. Doch vor allem Dank des Handels mit Deutschland konnte sich die russische Wirtschaft etwas erholen.