Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hat ihren Plan für ein zweites Unabhängigkeitsreferendum aufgeschoben. Statt Schottland aus Großbritannien herauszulösen, wolle sich ihre Regierung nun für einen weichen Brexit einsetzen, also den Verbleib des Landes im Europäischen Binnenmarkt nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU. Das kündigte Sturgeon im Parlament in Edinburgh an. "Wir werden alles tun, um Großbritannien in diese Richtung zu bewegen."

Ein zweites Referendum ist damit aber noch nicht ausgeschlossen. Sturgeon kündigte an, im Herbst 2018 erneut über den Zeitplan für ein Unabhängigkeitsreferendum entscheiden zu wollen. Bis dahin würden die Umstände des geplanten EU-Austritts Großbritanniens klarer. Außerdem sei die Mehrheit der Schotten noch nicht von der Unabhängigkeit überzeugt.

Sturgeon reagierte damit auf die heftige Wahlniederlage ihrer Schottischen Nationalpartei (SNP) bei der britischen Parlamentswahl vor knapp drei Wochen. Die Befürworter eines unabhängigen Schottlands verloren 21 ihrer 56 Sitze in Westminster. Sturgeon hatte eingeräumt, dass ihre Forderung nach einer zweiten Abstimmung über die schottische Unabhängigkeit zu dem schlechten Ergebnis beigetragen haben könnte.

Erst im März hatte sie aus Protest gegen den Brexit-Kurs der britischen Regierung angekündigt, zwischen Herbst 2018 und Frühjahr 2019 eine Volksabstimmung zur Loslösung von Großbritannien abhalten zu wollen. Das Parlament in Edinburgh hatte zugestimmt. Die notwendige Zustimmung aus London hatte ihr Premierministerin Theresa May aber verweigert.