Slowenien hat im mehr als 25 Jahre andauernden Grenzstreit mit Kroatien einen juristischen Erfolg erzielt. Das internationale Schiedsgericht in Den Haag sprach dem Land einen Zugang zur offenen See und den größten Teil der umstrittenen Piran-Bucht in der nordöstlichen Adria zu. Kroatien müsse dem Nachbarstaat über einen Korridor den ungehinderten Zugang zu internationalen Gewässern gewähren, hieß es in dem Richterspruch.

Kroatien wollte in dem Verfahren eine Teilung der Piran-Bucht erreichen. Slowenien forderte den eigenen freien Zugang zu internationalen Gewässern. Dem wurde allerdings nicht entsprochen: Stattdessen soll ein 2,5 Seemeilen breiter Korridor in kroatischen Hoheitsgewässern eingerichtet werden. "Dort müssen alle Schiffe und Flugzeuge Sloweniens ungehindert Zugang haben", sagte der Präsident des Tribunals, Gilbert Guillaume.

Es ist zweifelhaft, ob der Schiedsspruch den Streit beenden wird. Die kroatische Regierung hat bereits angekündigt, das Urteil ignorieren zu wollen. Kroatien hatte das von der EU vermittelte Verfahren 2015 wegen eines Verstoßes Sloweniens gegen die Schiedsgerichtsregeln verlassen. "Kroatien wird das Ergebnis des Verfahrens weder akzeptieren noch zurückweisen, weil es für uns kein Schiedsverfahren gibt", hatte Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarović kürzlich gesagt. Nach dem Urteil teilte die kroatische Regierung mit, direkt mit Slowenien verhandeln zu wollen.

Die beiden EU-Staaten streiten seit ihrer Unabhängigkeit vom früheren Jugoslawien 1991 über den Grenzverlauf. Slowenien hatte sogar den EU-Beitritt des Nachbarlandes blockiert. Erst die Zustimmung zu dem Schiedsverfahren hatte den Weg für Kroatien frei gemacht.