Türkische Behörden haben eine für Sonntag geplante Demonstration für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen in Istanbul verboten. Das Büro des Istanbuler Gouverneurs teilte mit, die Gay-Pride-Parade gefährde die öffentliche Ordnung und die Sicherheit von Bürgern und Touristen. Zudem hätten die Veranstalter die Demo nicht angemeldet, die Behörden hätten erst aus der Presse davon erfahren. In sozialen Netzwerken habe es außerdem "sehr ernst zu nehmende Reaktionen" auf den angekündigten "Marsch des Stolzes" gegeben.

Nach Veranstalterangaben sollte die Parade am zentralen Taksim-Platz beginnen. Dort war es in der Vergangenheit immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Die Organisatoren riefen dazu auf, sich trotz des Verbots im Stadtzentrum zu versammeln, den Taksim-Platz aber zu meiden.

Die Veranstalter forderten den Gouverneur auf, das Verbot noch einmal zu überdenken, seine Verpflichtungen zu erfüllen und die Sicherheit des Marsches zu gewährleisten. Das Verbot verstoße gegen türkisches und internationales Recht, sich friedlich zu versammeln. Amnesty International teilte mit, die türkischen Behörden verstießen "routinemäßig und willkürlich" gegen die Meinungs- und Versammlungsfreiheit. "Die Türkei sollte Pride-Märsche schützen, anstatt sie zu verbieten", forderte die Menschenrechtsorganisation.

Die Parade zum Abschluss der Istanbuler Pride Week findet seit mehr als zehn Jahren statt. 2014 hatte die Veranstaltung mehr als 100.000 Menschen angezogen, seither wurde sie nicht mehr genehmigt. 2015 begründeten die Behörden das Verbot mit Verweis auf den muslimischen Fastenmonat Ramadan. Trotzdem versammelten sich damals mehrere Tausend Menschen zu einer friedlichen Parade. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein.

2016 wurde die Parade ebenfalls mit Hinweis auf Sicherheitsbedenken nicht genehmigt. Die Türkei gehört zu den wenigen Ländern in der muslimisch dominierten Region, in denen Homosexualität nicht verboten ist.