Jeff Sessions ist eines der wichtigsten Mitglieder im Kabinett von Donald Trump. Derzeit steht er im Fokus des Geheimdienstausschusses des Senates. Der Ausschuss geht möglichen unzulässigen Verbindungen zwischen Trumps Wahlkampfteam und der russischen Regierung nach. Am Dienstag will Sessions öffentlich vor den Senatoren aussagen.

Die Ereignisse, die dazu führten, könnten Stoff für die Serie House of Cards sein. Dass Jeff Sessions, kaum vier Monate  als oberster Chef der US-Strafverfolger im Amt, sich nun selbst einem Kreuzverhör stellen muss, verdankt er seinen Kontakten zu Sergei Kisljak. Der russische Botschafter traf während des Wahlkampfs  – soweit bisher bekannt – zwei Mal mit Sessions zusammen. Begegnungen, die Sessions allerdings unerwähnt ließ, als er bei seiner Nominierung danach gefragt wurde – und unter Eid stand. Doch die Geheimdienste hatten Kisljak offenbar überwacht und erfuhren so von Sessions Treffen. Die Information spielten die Insider den Medien zu. Sessions sagte schließlich, er habe die Treffen nicht für relevant erachtet. Sie seien im Rahmen seiner Senatorenrolle zustande gekommen.

Als Justizminister sollte ausgerechnet Sessions die Ermittlungen führen, die die Rolle Russlands im US-Wahlkampf aufklären sollen. Nach Protesten der Opposition erklärte er im März, er werde die Leitung der Untersuchung an seinen Stellvertreter abgeben und sich aus den Ermittlungen heraushalten.

Comey belastet Sessions

Doch das war nicht das Ende der Angelegenheit. Vergangene Woche befragte der Geheimdienstausschuss über drei Stunden lang den ehemaligen FBI-Chef James Comey. Der war im Mai überraschend von Donald Trump entlassen worden. Trumps Sprecher hatten das zunächst mit einer schriftlichen Empfehlung von Sessions und seinem Stellvertreter begründet, die im Zusammenhang mit Comeys unzulänglichem Vorgehen im Fall von Hillary Clintons Nutzung eines privaten Servers für ihre offizielle Kommunikation als Außenministerin stehe. Clinton selbst hatte Comey mitverantwortlich für ihre Niederlage und Trumps Sieg im Oktober gemacht.

Nun sollte genau das der Grund sein, warum der US-Präsident Monate später das Vertrauen in den FBI-Chef verloren hatte. Trump selbst sagte in einem TV-Interview jedoch, er habe Comey "wegen dieser Russland-Sache" gefeuert. Er habe aber keineswegs die Ermittlungen beenden wollen, auch werde gegen ihn persönlich nicht ermittelt – was Comey in seiner Anhörung bestätigte.

Gefragt nach der Rolle Sessions bei den Russland-Ermittlungen, sagte Comey, diese sei "problematisch". Näher könne er sich dazu nicht öffentlich äußern. Unbestätigten Berichten zufolge sagte Comey den Senatoren hinter verschlossenen Türen, Sessions habe ein weiteres Treffen mit dem Russen verschwiegen. Daraufhin bat der Geheimdienstausschuss Sessions zu einer Anhörung.

Sessions gilt als Rassist

Die Russland-Kontakte sind aber nicht das einzige Problem für Sessions. Die Berufung des 70-Jährigen zum Justizminister wurde von vornherein stark kritisiert. Über 1.400 Juristen wandten sich in einem Brief gegen seine Ernennung. Vor allem schwarze Aktivisten und Bürgerrechtsorganisation protestierten. Sessions, der über 20 Jahre lang für den Bundesstaat Alabama im Senat saß, begleitet der Ruf, ein Rassist zu sein.

Vor seinem Ministeramt war er jahrzehntelang Staatsanwalt in seinem Heimatstaat Alabama. Als er 1986 zum Bundesrichter ernannt werden sollte, meldete sich Coretta Scott King, die Witwe des ermordeten Bürgerrechtlers Martin Luther King, um dies zu verhindern. Untergebene berichteten aus dieser Zeit, dass Sessions den rassistischen Ku-Klux-Klan (KKK) nach eigenem Bekunden "okay fand", bis er erfahren habe, dass sie Marihuana rauchen. Anderen Kollegen zufolge war die Bemerkung als Witz gemeint. Sessions selbst bestreitet rassistische Äußerungen. Er habe keine Vorurteile gegen Schwarze.

Als junger Staatsanwalt klagte Sessions schwarze Aktivisten an, die schwarze Wähler in Alabama registrieren wollten. Er warf ihnen Wahlbetrug vor. Sie wurden freigesprochen. Während seiner Zeit als Generalstaatsanwalt von Alabama verteidigte er das Schulsystem des Bundesstaates gegen Kläger, die den Behörden systematische Bevorzugung von Schulen vorwarfen, die mehrheitlich von weißen Schülern besucht wurden. Später erklärte das Oberste Gericht das Schulsystem des Bundesstaates für verfassungswidrig. Allerdings gab es auch immer wieder schwarze Untergebene, Kollegen und Organisationen, die Sessions gegen seine Kritiker in Schutz nahmen.

Auch bei seinen Senatskollegen ist Sessions durchaus beliebt. Susan Collins, die als republikanische Senatorin den Bundesstaat Maine vertritt, verteidigte ihn bei seiner Nominierung. Sessions sei ein integrer Mann, der an die Einhaltung der Gesetze glaube. Konservative Medien feiern ihn als Kämpfer für Bürgerrechte der Schwarzen. Dabei berufen sie sich auf Sessions Rolle bei der Verfolgung von KKK-Mitgliedern, die 1981 einen 19-jährigen Schwarzen brutal misshandelt und schließlich aufgehängt hatten. Der Täter wurde später zum Tode verurteilt. Bei der Nominierung zum Justizminister nannte Sessions dieses Urteil als einen der wichtigsten Erfolge seiner Karriere. Andere Beteiligte von damals haben Sessions Rolle allerdings weit weniger prominent in Erinnerung.